"if you can't beat them in the alley, you can't beat them on the Ice" - (Conn Smythe) Aus dem Poesiealbum der Broad Street Bullies, der deutschen Nationalmannschaft gewidmet!

Freitag, 7. Februar 2020

Stadionalbum neue Folge: Veränderungen der Football-Landschaft in den letzten 30 Jahren

Etwa ab 1988 habe ich aktiv die NFL verfolgt, mein erstes Sonderheft (Petersen's preview) gekauft, Spiele im Sportkanal gesehen, Radio-Übertragungen auf AFN gehört, Dienstags die USA Today gekauft und so weiter. Seitdem hat sich in der NFL einiges geändert und beim Hochladen der Bilder aus meiner Sammlung merke ich erst, wieviel! Im Grunde ist in dieser Zeit kein Stein auf dem anderen geblieben. Da merkt man erst, wie viel Zeit das ist, 30 Jahre:



Es begann mit der Story, daß die St. Louis Cardinals nach Phoenix umgezogen waren, vor der Saison 1988, im o.g. Sonderheft. St. Louis war nie eine Football-Stadt, wie sich später erneut zeigen sollte. Die Cardinals waren 1920 in Chicago gegründet worden, sind also die zweitälteste NFL-Franchise.

 Arizona war die neue Heimat der Cardinals, die zwar zunächst Phoenix Cardinals hießen, aber als Gast im nahen Tempe spielten. Ein eigenes Cardinals-Stadion gibt es bis heute nicht. Die Cardinals zogen auch in der Wüste von Arizona nicht mehr Fans an als im Baseball-verrückten St. Louis.

1988 waren die Raiders noch die Los Angeles Raiders, spielten im L.A. Coliseum, wo auch die Rams von 1945 an spielten. Damit dürfte das Coliseum, auch 2019 noch NFL-Stadion, wenn auch mit Unterbrechungen bespielt, das "dienstälteste" Stadion der NFL sein.  

1988 waren auch die Rams noch in L.A. zu Hause, bzw. seit 1980 im benachbarten Anaheim (wer weiß schon, wo L.A. anfängt bzw. aufhört - ich jedenfalls nicht), weshalb das einst so schöne Stadion der Angels in die hier abgebildete merkwürdige Konfiguration umgebaut worden war. Bis zu 66.000 Zuschauer kamen zu den Spielen der Rams, die in den 80er Jahren teilweise harte Konkurrenz für die 49ers der Montana-Ära waren. Wer jetzt aufmerkt, daß die Rams doch auch heute in L.A. spielen, im Coliseum (s.o.), bis das neue Stadion fertig ist, der hat recht, aber evtl. verpasst, daß die Rams zwischenzeitlich für ein paar Jahre in St. Louis zu Hause gewesen waren, zum Teil sehr erfolgreich, aber auf die Dauer nicht in der Lage, eine ausreichend große Basis für einen dauerhaften Verbleib dort aufzubauen. Liegt vielleicht am Karma der Franchise, die ja ursprünglich mal in Cleveland (1936-1945) angefangen hatte, aber auch dort keine dauerhafte Heimat gefunden hatte.

1988 hatte es noch alle sechs sogenannten "concrete donuts" gegeben (Atlanta, Pittsburgh, Philadelphia, Cincinnati, St. Louis, Washington). Diese fast symmetrischen Bauten, teilweise einander zum Verwechseln ähnlich, waren in den 1960er Jahren dort gebaut worden, wo Football- und Baseball-Teams als gemeinsame Nutzer zu Hause waren und die bis dahin genutzten Baseball-Stadien aus den 1910er Jahren nicht mehr zeitgemäß waren. Ende der 90er bis Anfang der 00er Jahre wurden sie nach und nach zerstört und wichen noch neueren Bauten. In Atlanta war es der unten abgebildete Georgia Dome. Schon in den 80er Jahren waren die "concrete donuts" eigentlich zu klein für den Zuschauerandrang der NFL.

Auch der Georgia Dome ist schon wieder Geschichte, nach nicht einmal 25 Jahren durch eine andere, direkt daneben gebaute Halle ersetzt.

1983 waren die Colts von Baltimore nach Indianapolis umgezogen, seitdem mangels eines modernen Stadions, war die einst so Football-verrückte Stadt verweist. Bis 1996 die Cleveland Browns, in ihrer Stadt nicht minder geliebt wie die Colts in Baltimore, auf Wanderschaft gingen. Ironischerweise spielten sie die ersten zwei Saisons im altehrwürdigen Memorial Stadium, das eineinhalb Jahrzehnte zuvor nicht mehr gut genug für ein NFL-Team gewesen war. Dann bekamen die in "Ravens" umgenannten Neuankömmlinge ein großes, modernes Stadion. 

Auch neue Teams wurden aus der Taufe gehoben, weil die Liga wirtschaftlich stark genug erschien, eine Vergößerung auszuhalten, es noch zur Genüge weiße Flecken auf der NFL-Landkarte gab und gibt und weil der Spielplan ja irgendwie leichter auszubalancieren ist, wenn eine gerade Zahl an Mannschaften besteht. So bekam der Südosten des Landes einen neuen Stützpunkt in Charlotte, (North) Carolina, vom Profisport lange Zeit ignoriert geblieben. Enter the Panthers.

Das gute alte Soldier Field, zwar schon 1924 erbaut, aber erst seit 1970 Heimstadion der NFL, wurde bis zur Unkenntlichkeit umgebaut, im Grunde hatte man in den alten Mauern ein komplett neues Stadion aufgebaut. Hier noch der alte Look. Die Bears waren damals noch eine Macht, auch wenn das 85er Team nach und nach zerbröselte, beherrschte man die NFC Central. 

So sah es mal aus, die farbigen Sitzbänke waren Ergebnis einer der letzten Renovierungen der 80er Jahre. So sah es auch aus, als 1994 hier die Fußball-WM eröffnet wurde.
In die markanten Außenmauern des alten Soldier Field hinein wurde dieses nagelneue Stadion errichtet, eine der beliebtesten Franchises der USA hat damit die kleinste Kapazität der Liga - allerdings in einer Zeit, da die Besucherzahlen zurückgehen und die zahlreichen no-shows fast überall unübersehbar sind.

Auch Riverfront mußte weichen, stattdessen entstanden auf dem Areal jeweils ein Football- und ein Baseballstadion.
Ein teilweise unsentimentaler Umgang mit den Stadien macht die beeindruckende Fluktuation dieser Landschaft in den USA möglich. So wie sie zwischen 1960 und 1970 über das Land gekommen waren, so entledigte man sich auch der "Concrete Donuts", die Baseballfans immer ein Dorn im Auge gewesen waren und sich für Football vielerorts als zu klein erwiesen hatten. 

Für die Bengals wurde Paul Brown Stadium gebaut, benannt nach dem prägenden langjährigen Coach und Manager der Bengals. Dazu konnte er aber erst werden, nachdem er die cross-state Rivalen aus Cleveland verlassen hatte (s.u.)

Cleveland Stadium, das gigantische Rund am Seeufer (Lake Erie), war ein Hexenkessel, wenn QB Bernie Kosar die Browns aufs Feld führte. 80.000 Zuschauer waren hier die Regel, während gleichzeitig die damals schwachen Indians oftmals weniger als 20.000 zu den Baseballspielen lockten. Die Browns nahmen regelmäßig an den Playoffs teil, in einer anspruchsvollen Division mit Pittsburgh, Cincinnati und Houston. Warum hießen die Browns so? Der Name war Teil der Konditionen, mit denen man Paul Brown, einen der hellsten Köpfe im damaligen Football, nach Cleveland lockte. Neben zahlreichen Vorzügen sollte das Team nach ihm benannt werden. Brown war Gesicht und Erfolgsgarant der Browns, so lange, bis Art Modell das Team kaufte und seine Macht beschnitt, was letztlich nach einer kurzen Fehde 1961 zur Entlassung Browns führte. Art Modell dürfte in Cleveland also keine allzu große Popularität genießen. Nicht nur zeichnet er für den Weggang Paul Browns verantwortlich, er war es auch, der 1995 den Wegzug der Browns nach Baltimore durchführte! Weil das in den 30er Jahren erbaute Stadion nicht mehr genug Einnahmen generierte. Am Zuschauerzuspruch lag es, wie erwähnt, nicht.  

Das neue Stadion wurde Cleveland Browns Stadium genannt und für die neuen Browns errichtet, die 1999 gegründet wurden und alle Markenrechte und die Clubhistorie der alten Browns übernahmen, welche die Stadt Cleveland sich gesichert hatte (angeregt durch das mahnende Beispiel aus Baltimore). Es gibt somit also zwei Stadien, für deren Namen Paul Brown Pate stand! 

1988 waren die Denver Broncos dreifach unterlegene Super Bowl-Teilnehmer, die zuletzt zweimal auf den Schultern ihres "do it all"-QB John Elway in die Finals eingezogen waren, ehe sie dort kompletteren Teams unterlagen. 1990 folgte dann gar noch die Rekordniederlage gegen die 49ers. Später bekamen sie dann, wie inzwischen fast alle Teams, ein neues Stadion. Das legendäre und gefürchtete Mile High Stadium, im Hintergrund in den Clubfarben bestuhlt, 75.000 Plätze, wich dem blitzsauberen Glas- und Stahlkoloss mit Investorennamen.

Motorcity war weder sportlich noch anderweitig von Erfolgen verwöhnt, die NFL-Lions spielten noch nicht mal in der Stadt selbst, sondern im benachbarten Pontiac, im dortigen Silverdome, der mit seinen 80.000 Plätzen für die chronisch erfolglosen Lions auch noch viel zu groß war. Um dem Verfall und Niedergang der Stadt ein belebendes Element entgegenzusetzen, wurde Ende der 90er Jahre dann der ganz große Wurf unternommen und Lions und Tigers (MLB) erhielten Seite an Seite neue Stadien mitten im Stadtzentrum. Was die sportlichen Erfolge bisher auch noch nicht gebracht hat. 

So sah Stadionplanung ab den 60er Jahren aus: auf gigantischen Brachen nahe Autobahnzubringern entstehen endlose Parkplatzfächen und ein Moloch-artiger Stadionbau ragt in die Höhe. Was gibt es in New York City nicht? Freie Flächen dieses Ausmaßes. Also spielten, als sich die NFL dahin entwickelte, daß man nicht mehr in den alten kleinen Baseballstadien als Untermieter spielen wollte, die NY Giants und die NY Jets im Nachbarstaat New Jersey. 

Ein (für NFL-Verhältnisse) kleines, häßliches Stadion für eine kleine, häßliche Mannschaft, die in einer Division mit Bills, Dolphins, Jets und Colts meistens nichts zu bestellen hatte. So sah die Realität für die Patriots anno 1988 aus. 

Später dann ein größeres, modernes Stadion für den gewieftesten Trainer des 21. Jahrhunderts und seinen Zauberlehrling, "pretty boy" Brady. Fertig ist die Football-Großmacht.

Die Cardinals sind, trotz ausbleibender Erfolge und öfter auch Zuschauer, immer noch in der Wüste von Arizona zu Hause, in und um Phoenix. Einmal nur hatten sie 2009 vom ganz großen Wurf träumen dürfen, als der schon abgeschriebene Curt Warner eine späte Renaissance erlebte und das Team in die Super Bowl führte. Dort hätte man fast gesiegt, wenn nur die Defense einen letzten Angriff der Steelers hätte stoppen können. Aktuell spielen sie in ihrem dritten Stadion seit 1988, dem 2018 eröffneten "State Farm Stadium", das hier abgebildete war ihr zweites Zuhause seit dem Wegzug aus St. Louis. 

Anno 1988 waren die Packers mit ihrem damals kleinen Stadion in ihrer kleinen Heimatstadt abgehängt, hinter Chicago und Minnesota bestenfalls die Nr. 3 der NFC Central. Nach einer längeren Durststrecke kamen dann die Ära von Brett Favre, gefolgt von der Ära Aaron Rogers, der Ausbau des seit 1957 bespielten Stadions zur heutigen imposanten Größe und die Packers sind mit wenigen Unterbrechungen seit über 20 Jahren stets ein ernst zu nehmender Anwärter auf die Playoffs. Mit ihrem Gründungsjahr 1921 die drittälteste Franchise der Liga und mit insgesamt 13 Meistertiteln noch erfolgreicher als die Bears!

Im Jahre 1988 spielten die Houston Oilers im Astrodome und hatten eine sehr passfreudige, explosive wie unterhaltsame Offense, angeführt von Warren Moon, einem von nur zwei dunkelhäutigen Starting-QB. Ihre Heimat war der Astrodome, mit knapp 60.000 Plätzen damals eines der kleineren Stadien. Auch Houston mußte später den Wegzug der Oilers verkraften, wieder einmal hatte ein Teambesitzer gemeint, woanders ein besseres Umfeld zu finden, in diesem Fall den bis dahin Profi-Football entbehrenden Staat Tennessee.

Ein paar Jahre nach dem Abgang der Oilers wurde ein neues Stadion gebaut, eine der Bedingungen für die 2002 erfolgte Neuansiedlung eines NFL-Teams in Houston. Inzwischen sind die Texans gut etabliert und ein maßgeblicher Hoffnungsträger ist erneut ein dunkelhäutiger QB (Deshaun Watson), im rückständigen und rassistischen Texas eigentlich ein Kuriosum. 

1995 brachte die Expansion der Liga neben Carolina auch ein Team nach Jacksonville, obwohl der Staat Florida mit den Dolphins und den Buccaneers, gemessen an Größe und Bevölkerungszahl, bereits gut repräsentiert schien. Als die Superbowl erstmals hier ausgetragen wurde, gab es auch Murren, daß der Ort nicht genug zu bieten habe, um ein solches Großereignis zu veranstalten. Die Jaguars haben auch (erfolgreich) darum gekämpft, in der Saison 2020 zwei "Heimspiele" in London auszutragen, weil sie dort höhere Einnahmen generieren können als zu Hause, u.a. durch die geringen Zusatzeinnahmen, die im Stadionumfeld von Jacksonville zu erzielen sind. Das Stadion "Gator Bowl" mit 80.000 Plätzen, stand seit 1927, es wurde für den NFL-Start der Jaguars abgerissen und durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. Das Team ist während der meisten Zeit seiner Existenz nicht über Mittelmaß hinausgekommen.

Die Washington Redskins spielten als eines der Erfolgreichsten Teams der 80er Jahre im kleinsten NFL-Stadion, dem Robert F- Kennedy-Stadion mit 56.000 Plätzen. 1961 war das Stadion als erster der sogenannten concrete donuts entstanden, um Football und Baseball in einem modernen Stadion unterzubringen. Damals hatte Washington noch ein MLB-Team, die Senators. Diese waren gerade nach Minneapolis umgezogen und wurden die Minnesota Twins, woraufhin bereits 1961 die neuen Senators aus der Taufe gehoben wurden (die 10 Jahre später ebenfalls die Stadt verließen, um den Großraum Dallas als Texas Rangers zu bespielen). Als 1991 die Redskins ihren dritten SB-Sieg feierten, war Coach Gibbs der erste Coach, der drei Titel mit drei unterschiedlichen QB gewann, was bis heute unerreicht ist.  

1996 hatte RFK ausgedient und die Redskins bezogen ihre neue Heimat, ursprünglich "Jack Kent Cooke-Stadium" getauft, nach dem Teambesitzer. Damit hatten die 'skins mit einem Mal das größte Stadion der Liga mit 91.000 Plätzen, kurioserweise einhergehend mit seitdem kontinuierlich ausbleibenden Erfolgen. Da wundert es nicht, daß sie auch in der Kapazitäts-Rangliste inzwischen von der Spitze verdrängt wurden, natürlich durch "everything is bigger in Texas" Dallas. Das Stadion liegt übrigens nicht auf dem Gebiet der Hauptstadt, sondern im benachbarten Landover, Maryland. 

In Minneapolis-St. Paul, der Doppelgemeinde (deshalb heißt das Baseball-Team "Twins", wie in Twin cities) im Staate Minnesota ist es während der Football-Saison, vor allem ab November, so kalt, daß man sich kaum draußen aufhalten kann. Also wurde der Metrodome gebaut, ein Stadion mit einer Tragluftkonstruktion als Dach. Hielt dem Wetter nicht immer stand, außerdem ist die Haltbarkeit der US-amerikanischen Stadien teilweise erstaunlich kurz, weshalb nach 31 Jahren Schluß war und nach einem Intermezzo im Outdoor-Stadion der Universität seit 2016 in einer neuen, teilweise durch gigantische Glasflächen transparenten und offen erscheinenden Halle gespielt wird. Die Vikings sind immerhin unverändert seit ihrer Gründung 1960 in Minneapolis - St. Paul zu Hause, hatten in der frühen Zeit der Super Bowl-Ära 4x die Finals erreicht und jedes mal verloren. In einer Division mit den ruhmreichen Packers und Bears konnten sie nie über eine längere Phase hinweg einer Spitzenposition sicher sein.
Die Liberty Bowl in Memphis war die erste Heimat der Oilers nach ihrem Weggang aus Houston.

Vanderbilt University liegt in Nashville, Tennessee, einem Staat, der bis 1997, also 77 Jahre auf die Ankunft der NFL warten mußte. Tennessee bekam sein Team dadurch, daß die Houston Oilers transplantiert wurden. Zwar stand fest, daß Nashville die neue Heimat sein sollte, jedoch dauerte der Bau des designierten Stadions so lange, daß das Team zunächst als Tennessee Oilers in Memphis spielte, wo ein größeres College-Stadion zur Verfügung stand. In Memphis konnte man sich aber schlecht mit einem Team, das eigentlich nach Nashville gehörte, identifizieren, so daß der Zuschauerzuspruch in diesem ersten Jahr schwach war. Daher zog man für das zweite Jahr ins für NFL-Verhältnisse zu kleine Vanderbilt Stadium.

Das ist das Stadion der nach den zwei Jahren in Provisorien in "Titans" umbenannten ehemaligen Oilers. Die Erfolge seit dem Umzug 1997 sind bescheiden. Eine Super Bowl-Teilnahme gelang, man verlor gegen die St. Louis Rams (s.o.), der starting QB jenes Teams, Steve McNair wurde nach Karriereende Opfer eines Gewaltverbrechens und in den letzten 20 Jahren gab es nicht mehr viel zu Jubeln.

1995 kehrten die Raiders aus ihrem "Exil" in L.A. in die Bay Area zurück, wo sie schon von 1960 bis 1981 zu Hause gewesen waren. Al Davis, der eigenwillige Besitzer hatte, könnte man meinen, neben dem Gewinnen von Footballspielen ein weiteres Steckenpferd: Funktionären (von Liga und Kommunen) auf der Nase herumtanzen. In L.A. mit der Stadionsituation unzufrieden, zog er wieder nach Oakland. Hier bekam er zwar auch kein neues Stadion, aber immerhin durfte er das vormals schöne Coliseum mit einem Monstrum von Tribünenbau verunstalten, um die Kapazität auf über 60.000 zu erhöhen. Während der alleinigen Baseball-Nutzung von April bis August als eine absolute ästhetische Zumutung meistens verwaist und doch letztlich (stand 2020) nicht genug, um die Raiders auf Dauer in Oakland zu halten. 

Das legendäre Areal mit den drei großen Venues in Philadelphia. Pilgerstätte der heißblütigen Sportfans der sogenannten "City of brotherly love". Im Vordergrund Veterans Stadium, Heimat der Eagles. Damals hatten die Eagles Randall Cunningham als QB, einen lebenden Highlightfilm. Wer sich Filme über ihn ansieht, wird sich fragen, wie es sein kann, daß der nicht als bester QB aller Zeiten gilt. Und er galt nicht mal als bester seiner Zeit! Wenn eine Franchise so lange auf Titel warten muss, dann sind Superstars oder besonders spektakuläre Spieler. wenigstens ein kleiner Trost für die Fans.

Auf dem oben abgebildeten Areal "South Philadelphia Sports Complex" wurde 2003 das neue Stadion der Eagles eröffnet, mit größeren Entfernungen zum Spielfeld aber mehr Logen- und VIP-Plätzen als das vorherige Rund, das von 1971 bis 2002 NFL und MLB beheimatet hatte. Ebenfalls auf dem Areal entstand ein Baseballstadion für die Phillies und eine neue Halle für Flyers und 76ers. Die Eagles hatten immerhin nach ihrem Umzug ins neue Stadion mehr Erfolg als vorher, gewannen 2018 erstmals die Super Bowl.

Hier noch mal ein Blick auf das "Vet", wie die Arena genannt wurde. Die Fans aus Philadelphia, egal welcher Sportart, gelten als die unbändigsten der Staaten ("they even boo Santa Claus"). Bemerkenswert die bereits angesprochene Ähnlichkeit zu anderen Stadien aus der gleichen Zeit, wie z.B. Three Rivers Stadium, eine Abbildung weiter unten.

Für die Steelers, mit 4 Superbowl-Siegen in den 70ern erfolgsverwöhnt, waren die 80er Jahre, immer noch unter dem ehemaligen Erfolgscoach Chuck Noll, ein frustrierendes Jahrzehnt. Versuche, auf der QB-Position Kontinuität und Qualität zu etablieren und an die ruhmreiche Defense der 70er anzuknüpfen, blieben vergebens und erst nach Ablösung von Noll ging es wieder bergauf mit dem 1933 gegründeten Team.
Mit "going, going, gone!" werden normalerweise durch die Reporter im Baseball Homeruns kommentiert. Hier geht das Stadion dahin, auf daß wenig später auf selbem Areal zwei emporwachsen, neben Heinz Field für die Steelers auch PNC Park für die Major League Pirates. 

An gleicher Stelle, wo vorher Three Rivers Stadium gestanden hatte, entstand nach dessen effektvoller Sprengung "Heinz Field". Seit 2001 Heimat der Steelers und es dauerte nicht lange, ehe der Erfolg nach Steeltown zurückkehrte, in 2005 und 2008 wurden weitere Superbowl-Siege eingefahren, interessanterweise von zwei verschiedenen Coaches, nachdem mit Chuck Noll (22 Jahre) noch eine außergewöhnliche Kontinuität geherrscht hatte. Übrigens war den Steelers, seit 1933 in der Liga, vor der Superbowl-Ära kein Titelgewinn gelungen. 

Wie man am Spielfeld sieht, teilten sich die Chargers das Stadion mit dem MLB-Team der Padres. Die Chargers waren nie wirklich erfolgreich gewesen, kamen über phasenweise Dominanz ihrer Division nicht hinaus. So verließen sie schließlich 2016 das für NFL-Verhältnisse nicht nur relativ kleine sondern auch nur über einen kleinen eigenen Markt verfügende San Diego und kehrten dahin zurück, woher sie nach ihrer ersten Saison gekommen waren: Los Angeles. Das Stadion steht noch und wird für College-Football genutzt. ob hier noch einmal eine Superbowl stattfinden wird - es wäre die vierte - scheint fraglich. 

Die asymmetrische Form läßt es ahnen: dieses Stadion war einmal für Baseball gebaut worden und dann (Anfang der 70er Jahre) für die Mitnutzung durch die 49ers umgebaut worden, indem es - ähnlich wie in Anaheim - geschlossen wurde. Die Form ist deutlich anders als die von Vornherein für die Doppelnutzung geplanten Stadien von Washington, Atlanta, St. Louis, Cincinnati, Pittsburgh und Philadelphia. Über die Erfolge der 49ers muß nicht viel gesagt werden. Als ich anfing, die NFL zu verfolgen, waren sie das Maß aller Dinge.

Das war das Heimstadion der Seahawks in der Übergangsphase nach Abriss des "Kingdome". Viele US-Stadien, insbesondere im College-Football, entstehen sukzessive wie nach einem Baukasten-Prinzip. Man sieht hier z.B. noch die ursprüngliche, US-typische Hufeisenform, auf die später absurd hohe und steile Oberränge aufgesetzt wurden. Aufgrund des in Seattle herrschenden Klimas sind die Tribünen überdacht, was bei Footballstadien eher die Ausnahme bildet. Entweder Halle oder kein Dach, so scheint dort die Devise zu sein. 

Im Hintergrund ist der Kingdome zu sehen, von 1976 bis 1999 die Heimat der Seahawks. Ein brutaler Stahl- und Betonklotz. Die Seahawks waren 1976 gemeinsam mit den Tampa Bay Buccaneers in die Liga aufgenommen worden Damit besiedelte die NFL einen bis dahin verwaisten Flecken, Erfolge waren im Westen unter der Konkurrenz von 49ers und Rams lange nicht drin. Die Baseball-Mariners spielte ebenfalls im Kingdome, ehe sie nebenan ein Baseball-Stadion mit verschiebbarem Dach erhielten.

Hier der Status Quo der Gegenwart: Der Kingdome ist weg und an seiner Stelle entstand das neue Stadion für die Seahawks, die inzwischen mit Coach Pete Carroll und QB Russell Wilson eine Erfolgsära durchlebt haben, die noch nicht vorbei sein muss. 

Die Tampa Bay Buccaneers waren 1976 neu in die NFL gekommen und man steckte sie, geographisch nicht schlüssig, in die NFC Central mit Chicago, Minnesota, Green Bay und Detroit! Die Buccaneers waren fast zwei Jahrzehnte auf den Tabellenkeller abonniert, was auch an diesem Alignment lag. Ins hinten zu sehende Tampa Stadium kamen eigentlich nur gegen die landesweit beliebten Bears NFL-würdige Kulissen von über 60.000, die Kapazität von 75.000 Zuschauern wurde fast nur in den Superbowl-Austragungen erreicht. Mit dem Wechsel von Logo, Farben und Stadion sowie Aufbau einer starken Defense erfolgte ein Identitätswechsel, der Respektabilität ein Superbowl-Sieg (2002). 


Zusammenfassung:
In der ersten von mir verfolgten Saison (1988) hatte die NFL 28 Teams in sechs Divisionen. Atlanta spielte im Westen, Phoenix (geerbt von St. Louis) im Osten! 
Weiter geschah, daß die Los Angeles Raiders nach Oakland und die Rams nach St. Louis (das von den Cardinals verlassen worden war) umzogen, so daß L.A. ohne NFL-Team dastand. Weiter verlor Cleveland die Browns, Houston die Oilers, und schließlich San Diego die Chargers sowie ganz aktuell Oakland die Raiders an Las Vegas. Zwischendurch hatte noch St. Louis die Rams wieder nach L.A. ziehen lassen müssen, die Stadt am Mississippi hat also zweimal Teams verloren. Dafür haben Baltimore (wieder), Nashville, Houston (wieder), Charlotte, Jacksonville, Cleveland (wieder, sogar unter dem alten Namen) und L.A. (Rückkehr zweier vorher schonmal dort beheimateter Teams) Teams bekommen. Buffalo und Kansas City haben noch die gleichen Stadien wie 1988, Lambeau Field in Green Bay wurde aufgestockt, ansonsten haben alle Teams neue Stadien erhalten, auch bei Soldier Field handelt es sich um einen kompletten Neubau. 2020 erreicht die Liga nach 100-jährigem Bestehen eine neue Stufe der Kommerzialisierung, indem ein Team in Las Vegas angesiedelt wird, einer seelen- und bevölkerungslos scheinenden Ansammlung von Vergnügungsbetrieben, die man kaum als Stadt im herkömmlichen Sinne bezeichnen möchte. Eine Kultur im abendländischen Sinn existiert dort jedenfalls nicht. Wenn man sich dort befindet, bekommt man leicht den Eindruck, ähnlich wie in Orlando, daß dort nicht wirklich jemand lebt. Alle Menschen dort scheinen entweder Touristen oder niedrigstlohn empfangende Saisonarbeiter zu sein - allerdings bei einer 365-Tage-Saison.    





Sonntag, 2. Februar 2020

Vor der Super Bowl ist nach der Football-Saison.

Es ist mal wieder so weit: das aus Sicht der US-Amerikaner größte Sportereignis der Welt findet statt, das Endspiel um die Football-Meisterschaft, auch als "Super Bowl" bekannt. Durchnummeriert und mit römischen Zahlen versehen, auch wenn man meinen könnte, humanistische Bildung sei in den USA schwerlich anzutreffen, am wenigstens in und um Footballstadien.
Super Bowls, die ich vor über 30 Jahren begonnen habe, anzusehen, sind selten dem Hype gerecht geworden, der um sie gemacht wird. Ich weiß noch, wie ich in der USA Today vor dem Spiel der 49ers gegen Denver gelesen habe, daß es sehr offen sei, zwei fast gleichstarke Teams anträten. Die Realität brachte dann die bis heute einseitigste Partie aller Zeiten, ein 55:10 für die Kalifornier. So war es oft, Versuche, Spannung aufzubauen, scheiterten dann mit Spielbeginn daran, daß eines der Teams Anlaß und Gegner nicht gewachsen war und ich war schon froh, wenn der Ausgang nicht schon zur Pause klar abzusehen war. Außenseitersiege waren eher selten, hochklassige Spiele auch. Denkwürdig, wenn man über 30 Endspiele gesehen hat? Natürlich der last-minute-Sieg der 49ers gegen die Bengals, mittels eines historischen Drives von über 90 Yards binnen weniger als 3 Minuten. Das 48-Yard Field Goal Scott Norwoods, das den Bills bei ihrer ersten Teilnahme den Sieg über Bill Parcells' Giants gebracht hätte, Sekunden vor Schluß. Hätte! Der Kick ging ganz knapp vorbei, es blieb beim 20:19 für New York. 
Es gab mal ein furchtbar schlechtes Spiel mit Trent Dilfer und Kerry Collins als starting QBs. Der "Helicopter" von John Elway, der in den 80ern nach 3 SB-Niederlagen als "Charlie Brown" der NFL verspottet worden war und fast ein Jahrzehnt später als "back to back"-Champion abgehen konnte.     
Ein einziger Auftritt "meiner" Bears mit einem Traumstart dank Devin Hesters Kickoff-Return. Sie hätten gegen Peyton Mannings Colts gewinnen können, wenn sie nicht eine Offense gehabt hätten, die noch schlechter war, als die von 2019 - zum Fremdschämen.
Ein erfolgreicher Onside-Kick der Saints zur Eröffnung der 2. Hälfte bei Drew Brees' einzigem Erfolg.
Der Triumpf der Buccaneers, solange ich Football verfolge eine Lachnummer, zu allem Unglück auch noch lange in der gnadenlos harten Division der Bears, Packers und Vikings (und Lions) auf die rote Laterne aboniert. Mit grandioser Defense ins Finale gekommen, gegen u.a. die seinerzeit spektakulärste Offense der St. Louis Rams und dann doch im Finale 48 Punkte erzielt.
Die vielen Siege von Bill Belichik und Tom Brady. Obwohl beide zu den größten ihrer jeweiligen Positionen gezählt werden, siegten sie am Ende oft nur mit einem Fieldgoal Vorsprung. Aber es heißt ja "immer Glück ist Können".
Die Hollywood-reife Story von Curt Warner, 1999 gekrönt durch den Sieg gegen die Titans, den allerdings nicht die historisch großartige Offense von Warner und Offensive Coordinator Mike Martz sicherte, sondern Linebacker Mike Jones durch ein Tackling auf der 1-Yard-Linie.
Manche Spieler sind mehr dank des Systems, in dem sie gespielt haben, denn durch eigenes Können durch SB-Siege zu Legenden geworden. Wie z.B. Troy Aikman, kein schlechter QB, aber selbst zu seiner aktiven Zeit nicht zur Elite zählend. Dank der 3 Siege mit den Cowboys ist er in der Hall of Fame, seine Karriere-Statistiken hätten ihm den Weg dorthin nicht geebnet (Karriere-Wert im QB-Rating unter 82 Punkte). 

Nun also erstmals San Francisco gegen Kansas City. Die Mannschaft aus der Westküsten-Metropole, als kultureller Leuchtturm und Zentrum der alternativen Gegenkultur ein Touristenmagnet und auch ohne Sport von hoher Lebensqualität, trifft auf das Team aus dem mittleren Westen, keine 500.000 Einwohner und nichts, weswegen man, als Europäer, dorthin reisen würde. Kehren die 49ers wieder in die Rolle der Großmacht zurück, die sie in den 80er und 90er Jahren gespielt hatten, oder geben die Chiefs den einfachen Leuten in der Provinz, "in the middle of nowhere", etwas, worauf sie stolz sein können (außer darauf, Amerikaner zu sein)? Die Teams könnten gegensätzlicher nicht sein: San Francisco hatte im Conference-Finale fast nur auf den Lauf gesetzt, QB Jimmy Garoppolo kam nicht einmal auf ein Dutzend Pässe und die Defense der 49ers gehört zu den besseren der Liga. Garoppolo muß dann auch erst noch beweisen, daß er so ein großes Spiel (für seine Farben) entscheiden kann. Oder Coach Shanahan ruft wieder ein Laufspiel nach dem anderen aus und erfüllt damit einen einst von Mike Ditka gehegten Traum, ganz ohne Passspiel auszukommen (Ditka lag aber auch Zeit seiner Trainer-Karriere im Dauerclinch mit seinen QBs). Bei den Chiefs ist es umgekehrt, sie verlassen sich auf die Zauberkräfte ihres jungen QB Pat Mahomes und vernachlässigen den Lauf weitgehend. Ihre Abwehr dagegen ist bestenfalls solide. Ob das reicht, wo doch als ehernes Gesetz gilt, "Defense wins championships"? Beide Coaches haben schon bittere SB-Niederlagen bezogen, Shanahan stand als Offensive Coordinator auf der falschen Seite des epischsten Comebacks der Geschichte, als seine Atlanta Falcons einen 25-Punkte-Vorsprung gegen die Patriots verloren. Und Andy Reid, heute Chiefs, verlor gegen - natürlich - die Patriots als er noch die Eagles coachte.
Kann ein interessantes Spiel werden, aber das habe ich schon oft gedacht. 

Übrigens für alle, die den Vorbericht in der Frankfurter Rundschau gelesen haben: Glaubt nicht alles, was in der Zeitung steht. Ich habe mich in den letzten Jahren des Öfteren gefragt, ob in dieser einst so relevanten Zeitung noch jemand zu Hause ist, so miserabel manche Artikel sind, die doch den Weg ins Blatt finden, offenbar ohne Gegenlesen oder Recherche. Jerry West hat mit den 49ers nichts zu tun, der war Baskettballspieler und einer der Architekten der L.A. Lakers-Teams der 80er und 90er Jahre. Candlestick Park lag nicht mitten in der Stadt, wie der Autor behauptet und Richard Sherman gehört sicher nicht zu den "jungen Verteidigern" der 49ers. Und wenn ich den Artikel noch mal lesen würde, würde ich wahrscheinlich noch mehr Fehler finden. Habe aber keine Lust.


L.A. Coliseum, Ort der allerersten Super Bowl, die Kansas City Chiefs nahmen teil, aber gegen die Green Bay Packers hatten sie das Nachsehen.

New Orleans war aufgrund seiner klimatischen Lage ein naheliegender Austragungsort, auch vor dem Bau des Superdome. Im hier abgebildeten Tulane Stadium der gleichnamigen Universität gewannen die Chiefs unter ihrem legendären Coach Hank Stram gegen die Minnesota Vikings SB IV, ihr bislang einziger Titelgewinn und ihre bis dato letzte Teilnahme.

Erstmals im kalten Norden, erstmals unter einem Hallendach, fand erstmals ein Finale zwischen den San Francisco 49ers und den Cincinnati Bengals statt. Die 49ers, gecoacht von Bill Walsh und angeführt von Joe Montana, gewannen ihren ersten Titel.

SB XIX fand nahe San Francisco statt und war somit ein quasi-Heimspiel. Drei Jahre nach dem ersten Erfolg gewannen die 49ers wieder, diesmal gegen die Miami Dolphins. Deren QB Dan Marino hatte eine sensationelle Rookie-Saison gehabt, fand dann aber seinen Meister in der 49er Defense - und in Joe Montana. Traurigerweise kam der große Marino nie wieder in ein Endspiel und bleibt bis heute der beste QB ohne Super Bowl-Ring. 

Die Neuauflage der Partie 49ers gegen Bengals fand im damals noch relativ neuen Joe Robbie Stadium statt. Neben o.a. Comeback der 49ers in letzter Minute blieb mir die schreckliche Verletzung von Bengals-Tackle Tim Krumrie in Erinnerung, dessen gebrochenes Bein fast im rechten Winkel abstand, als er zu Boden ging. Vielleicht hätte er einen Unterschied machen können, wenn er beim finalen Drive noch dabei gewesen wäre. Auch der bisher letzte Sieg der 49ers, 1995 in SB XXIX, fand hier statt. Montana-Nachfolger Steve Young warf rekordverdächtige 6 Touchdownpässe. Wo und von wem er so gut werfen gelernt hatte? Nach seinen eigenen Angaben von Bears-Enfant-Terrible Jim McMahon, dessen Backup und Nachfolger Young im College gewesen war - übrigens im Mormonen-College Brigham Young, benannt nach einem Vorfahren des Linkshänders. Übrigens findet an diesem Ort auch die diesjährige Auflage statt, das Stadion wurde zwischenzeitlich umgebaut, fasst jetzt nur noch ca. 66.000 (bei Eröffnung noch 75.000) Zuschauer und hat überdachte Tribünen bekommen. Miami ist, wenn ich richtig gezählt habe, zum 11. Mal Austragungsort, neben dem heute "Hardrock Stadium" genannten Stadion der Dolphins war auch mehrmals die "Orange Bowl" Schauplatz (Heimat der University of Miami Hurricanes und einst auch der Dolphins - inzwischen abgerissen).




In New Orleans, längst unter dem Hallendach, findet das 55:10-Schlachtfest der 49ers über die Broncos statt. Ein Rekordsieg, der Montana endgültig unsterblich machte. Die unterlegenen Broncos waren damit das zweite Team nach den Vikings, daß es schaffte, vier Super Bowl-Niederlagen zu sammeln. Zugleich war es die dritte Niederlage für John Elway, dem man dann erstmal wünschte, nicht mehr ins Endspiel zu kommen. Da ahnte auch niemand, daß im darauf folgenden Jahr die noch epischere Serie der Buffalo Bills beginnen sollte, die vier mal in Folge ins Finale einzogen, um dort jedes mal den Kürzeren zu ziehen! New Orleans war bisher 10x Austragungsort der Super Bowl. Hier holten auch die Bears ihren einzigen Titel der SB-Ära. Das Spiel der legendären 85 Bears habe ich damals in einer ausführlichen Zusammenfassung im deutschen TV gesehen, ich meine mich zu erinnern, daß es im HR lief. Das war mein erstes Football-Spiel.

Als es die Diskussionen, wer der g.o.a.t. ist, noch nicht gab, da wäre die Wahl auf ihn gefallen. Aber zu seiner Zeit bedeutete "goat" noch Sündenbock, was der gefühlt fehlerfrei spielende Joe Montana nie war . Es mußte auch noch nicht nach jeder zweiten SB festgelegt werden, ob ein QB nach dem ersten oder zweiten SB-Sieg jetzt "Elite" wäre (wie bei E. Manning oder J. Flacco). Man war einfach ein Sieger und "Super Joe" oder "Joe Cool" war der Beste. Punkt. 









Stadionalbum neue Folge: Wintersport

Ich liebe sie, die alten, offenen Eisstadien. Vor allem diejenigen, die in herrlichen Alpenlandschaften eingebettet liegen. In Europa waren bis in die 1960er Jahre viele Eisstadien nicht überdacht, ehe die IIHF verfügte, daß alle Erstligastadien ein Dach haben mussten. So kam es dann vielerorts dazu, daß die bestehenden Stadien mit meistens ästhetisch ungenügenden Dachkonstruktionen versehen wurden, jedoch an den Seiten offen gelassen wurden. Noch bis in die 1980er Jahre waren auch in Deutschlands höchster Spielklasse nicht nur geschlossene Eishallen anzutreffen.
Obwohl sie, wie gesagt, lange noch zur Eishockeylandschaft gehörten, sind die offenen Stadien auf dem Ansichtskartenmarkt nur sehr schwer zu bekommen. Deshalb hier nur eine sehr kleine Auswahl.  

Das Eisstadion von Arosa-Obersee. Der heimische EHC war in den 1950er Jahren 7x in Serie Meister, also das Schweizer Pendant zum EV Füssen. Eine hübsche Vorstellung, von einem der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Hotels nach dem Essen und einem gemütlichen Spaziergang im Stadion Platz zu nehmen und hochklassigen Eishockeysport zu sehen. 
Davos 1: Ein Bild, das noch aus den 50er Jahren stammen könnte. Befestigte Ränge scheint es nur teilweise gegeben zu haben, ansonsten Zuschauer bis dicht an die Bande und ebenso dicht auf dem Schneewall. Toll!



Davos 2: Heimat des schweizer Rekordmeisters und Lokalrivalen von Arosa. Nicht nur großer Sport, sondern auch ein idyllisches "winter wonderland", nur mit offenem Stadion vorstellbar. Die Ränge etwas besser befestigt als auf dem obigen, älteren Bild. Der Zuschauerandrang ist hier auch nicht ganz so groß wie oben.

Der EKZ hatte in Österreich sportlich keine große Rolle gespielt, immer wieder nur vorübergehende Gastspiele in der höchsten Spielklasse gebend. Aber wenn hier zur Jahreswende das traditionelle Eishockeyturnier stattfand, war der Jubel der Zuschauer bis nach Thumersbach am gegeüberliegenden Seeufer zu hören!

Das Olympische Eisstadion von Cortina d' Ampezzo, wo 1956 die Winterspiele stattfanden. Eine wunderschöne Arena, etwas kurios mit den 3/4 Tribünen, hohe Ränge mit 12.000 Zuschauerplätzen. Für den Italienischen Spitzenclub SG Cortina eher zu groß, aber für die olympischen Wettkämpfe eine großartige Kulisse. Muß auch den James Bond-Produzenten gefallen haben, denn die drehten hier einige Szenen für "For your eyes only", u.a. die alberne Sequenz, in der Bond (Roger Moore) von drei Schergen in Eishockey-Montur auf dem Eis attackiert wird. Was auf dieser Abbildung auf dem Eis dargeboten wird, ist nicht zu erkennen, aber die Ränge sind voll, Fernsehkameras sind im Einsatz, muß etwas Größeres sein.

Hurra, das ganze Dorf ist da. Über Eishockey hier in Montana (Kanton Wallis, heute als Crans-Montana weithin bekannter Wintersportort) ist wenig herauszufinden, spielte wohl innerhalb der Schweiz keine Rolle. Aber hier, den Autos nach zu urteilen späte 60er oder erste Hälfte der 70er Jahre, lockte es doch eine größere Zahl von Schaulustigen. Ein sehr schönes Bild allemal.







Dienstag, 28. Januar 2020

Stadionalbum neue Folge: Top 5 reine Fußballstadien als alle anderen noch Laufbahnen hatten, Deutschland; könnte auch heißen "wo die Vergangenheit größer ist als die Zukunft.

1.
Betzenberg, Kaiserslautern.
Von den Walter-Brüdern, die in der Nachkriegszeit 2 Meisterschaften in die Pfalz holten über die 60er und 70er Jahre als Tretertruppe, die "Walz von der Pfalz" in den 80ern, bis zu den zwei Sensationstiteln unter Feldkamp und Rehagel in den 90er Jahren - davon können sie am Betze nur noch träumen, lang anhaltende Mißwirtschaft und eine wirtschaftsschwache Region sorgen dafür, daß im Zeitalter der Wolfsburg-Leipzig-Hoffenheim kein Platz mehr für Clubs aus kleineren Städten in der ersten Liga ist.




2.
Georg Melches Stadion, Essen
Deutschlands 6.-größte Stadt, bevölkerungsstärkste des Ruhrgebietes sah zum letzten Mal 1977 Bundesliga-Fußball. RWE war der erste West-Club, der nach dem Krieg deutscher Meister wurde, vor Dortmund, Schalke oder Köln, die jedoch in den folgenden Jahren der Elf von der Hafenstraße den Rang abliefen. So bleiben "Boss" Rahn und seine Gefährten bis auf weiteres, auch noch nach bald 60 Jahren die Spieler mit der größten Strahlkraft. Hrubesch, Burgsmüller, Mill und Özil machten nach ersten Meriten in Essen ihre Karrieren andernorts.



3.
Bökelberg, Mönchengladbach
Die Gladbacher sind, anders als die anderen Vetreter dieser Reihe noch erstklassig, auch immer mal wieder auf Spitzenplätzen anzutreffen. Aber den Ruhm früherer Tage im Bökelberg, 5 Meisterschaften, Europacup-Siege und -finalteilnahmen, werden sie nie mehr erreichen. Ist in der heutigen Zeit auch nicht mehr notwendig, Titel sind zwar fürs Wohlfühlen wichtig, aber für wirtschaftliche Prosperität unnötig.




4.
Bieberer Berg, Offenbach
Der Berg war ein tolles Stadion, wie Essen ab den 70er Jahren an drei Spielfeldseiten überdachte Tribünen, eine unüberdachte für die Gäste, intensive Atmosphäre auch bei nicht vollem Stadion und ein Heimnimbus vor allem Freitagabends, vielleicht auch dank der trüben Beleuchtung durch nur 2 Flutlichtmasten. In den 50ern war der OFC eine der Spitzenmannschaften des Südens, auf Augenhöhe mit Nürnberg, Stuttgart, Eintracht, Bayern, mit 2 Vizemeisterschaften, dann ging etwas der Anschluß verloren, auch wegen der völlig ungerechten Nichtberücksichtigung bei Bundesligagründung. Großen Fußball gab es hier zuletzt bis 1976 zu sehen, ein letztes Erstliga-Gastspiel erfolgte 1983/84. Nach Nuber, Kaufhold, Gast und co., waren die meisten aus Offenbach hervorgebrachten Kicker bei anderen Clubs erfolgreicher, wie Held, die Kremers-Zwillinge, Dieter Müller, Hickersberger, Winnie Schäfer, Völler und Bein. Von den Stars der 70er Jahre hatte nur Kostedde in Offenbach seine beste Zeit.




5.
Tivoli, Aachen
Ein tolles, enges Stadion, noch enger als die anderen in dieser Liste, hier soll man buchstäblich den Atem der Fans im Nacken gespürt haben! Die Alemannia war in der leistungsdichten Oberliga West der Nachkriegsära eher im Mittelmaß zuhause und blieb 1963 auch erst mal außen vor, als die Bundesliga gegründet wurde. Von 1967 bis 1970 war man dann 3 Jahre erstklassig, mit einem Vize-Titel 1969 als größtem Erfolg. Als amtierender Vizemeister machte es die Alemannia dann dem amtierenden Meister von 1968 (der Glubb is a Depp) nach und stieg ab. Die Rückkehr in die 1. Liga in Verbindung mit dem Stadionneubau richtete dann mehr Schaden an als es 36 Jahre in den Niederungen von 2. und 3.Liga im alten, kleinen und heruntergekommenen Stadion vermocht hatten. Rückkehr in 2. oder gar 1. Liga? kaum vorstellbar - stand jetzt.