"if you can't beat them in the alley, you can't beat them on the Ice" - (Conn Smythe) Aus dem Poesiealbum der Broad Street Bullies, der deutschen Nationalmannschaft gewidmet!

Mittwoch, 24. Februar 2016

Eintracht Frankfurt und die Meistertrainer

Was kann eine bessere Referenz für einen Trainer sein, als Meistertitel errungen zu haben? Das Engagement eines solchen Trainers kann nur als "no-brainer" für einen Vereinsverantwortlichen gesehen werden.
Beispiele aus der Eintracht-Geschichte gefällig?

1. Branco Zebec
Branco Zebec hatte dem FCB den ersten Titel der Bundesliga-Ära beschert, einen zweiten mit dem HSV gewonnen, dazwischen sehr erfolgreich in Braunschweig gearbeitet. Als er zur Eintracht kam, war es für ihn und die Eintracht schon zu spät. Er hatte sein Alkoholproblem nicht mehr unter Kontrolle, die Eintracht war im personellen Umbruch, der nicht wirklich gut funktionierte.


2. Jupp Heynckes
 
Hier noch als Spieler (stehend, 9. von links), kam er nach zwei Meistertiteln mit Bayern und ansehnlichen Erfolgen in Spanien zur Eintracht. Damals noch ein Disziplinfanatiker, passte er nicht zur maroden Eintracht, bei der Hölzenbein längst das Geschick und Glück bei den Transfers verlassen hatte, die restliche Vereinsführung sowieso schon jenseits von gut und böse war. Mit ihm ging es danach bergauf, mit der Eintracht steil bergab. Vom Meisterschaftskandidaten zum Absteiger in nur zwei Jahren!



3. Pal Csernai
Der Ungar (mittlere Reihe, 1. von links) kam zusammen mit Lorant als dessen Assistent, ging als solcher auch mit nach München, wo er als Cheftrainer das "Pal-System" installierte. Oder Paul Breitner installierte es, man weiß es nicht genau. Jedenfalls beendete er eine 6-jährige Titelflaute beim FCB und wurde zweimal in Folge Meister. Alles, was er nach seiner Demission in München anpackte, war von geringem Erfolg gekrönt und so kam er als eigentlich erledigter Trainer zur Eintracht, als Feldkamp nicht mehr wollte (das war, bevor Feldkamp mit Lautern Meister wurde). Lief schlecht, blieb auch nur ein paar Wochen, ehe Berger kam und wenigstens noch die Relegation erreichte. Interessant: er sagte nach einem schlechten und verlorenen Spiel (ich meine mich zu erinnern, daß es gegen die Hertha war) auf die Frage, was sich ändern müsse lachend: "wir müssen besser Fußball spielen!"


4. Armin Veh
Ja, er war auch mal Spieler! Die älteren unter uns kennen ihn noch als gelegentlich zum Einsatz gekommenen Reservisten bei Borussia Mönchengladbach. Unter Heynckes, mit Kleff und Matthäus, sowie Winnie Schäfer - den er noch nie leiden konnte, wie er anlässlich eines aktuellen verbalen Scharmützels unbedingt offenbaren mußte. War mal, keiner weiß genau, warum, mit Stuttgart Meister. Die hatten allerdings eine ganz gute Truppe damals. Seit dieser Meisterschaft (2007) ging bei beiden, VfB und Veh nicht mehr viel zusammen.


5. Christoph Daum

kein Bild von dem Mann, der 1992 den VfB Stuttgart trainierte, als diesem die deutsche Meisterschaft in den Schoß fiel. Als er zur Eintracht kam, hatte er einiges hinter sich, z.B. die Kokain-Affäre. Daß er es dennoch wieder zurück zum ernst genommenen Trainer schaffte, ist alle Ehren wert. Bei der Eintracht verbesserte er zwar einiges, aber es reichte nicht mehr, den tief durch M. Skibbe in den Dreck gefahrenen Karren wieder rauszuholen.

6. Thomas Schaaf
Thomas Schaaf hatte eigentlich nur noch eines zu beweisen, als er in Frankfurt anheuerte: Daß er auch außerhalb Bremens erfolgreich sein kann. Das ist ihm voll gelungen. Erst recht nach dem bisherigen Verlauf der Saison nach ihm ist für jedermann zu erkennen, wie hoch seine Arbeit einzuschätzen ist. Man ließ ihn ziehen, der Widerstand innerhalb der Mannschaft soll einer der Gründe gewesen sein. Spricht genauso wenig für die Mannschaft wie der Umstand, daß sie angeblich geschlossen hinter Veh stehen soll, dem Trainer, der ihnen aber auch so gar nichts mitgeben will, womit man Spiele gewinnen könnte. Schaaf hatte wahrscheinlich auch weniger Lust, sich mit Fischer, Steubing und Konsorten die Nächte um die Ohren zu schlagen, als sein Nachfolger.



Natürlich zählt Paul Oßwald nicht, der wurde ja nicht mit Titel im Lebenslauf geholt, sondern gewann ihn mit der Eintracht.

Montag, 21. Dezember 2015

Eintracht-Trainer Armin Veh - Versuch eines Gegenentwurfes

Trainingslehre? Ach, wozu denn! Gelobt sei, was Spaß macht. Beim Torschußtraining gibt's immer was zu lachen, wenn nicht gerade Alex Meier an der Reihe ist. Falls der überhaupt mitmachen darf und nicht stattdessen Runden laufen muß.


Armin Veh wird für seine Arbeit als Eintracht-Trainer häufig kritisiert, auch durch mich.
Seine Arbeit kann man auch anders sehen. Nämlich als einen kühnen, ja frechen Gegenentwurf zum immer unappetitlicher werdenden modernen Fußballgeschäft.
Der moderne Trainer arbeitet akribisch Pläne aus, wie seine Mannschaft und in ihr der einzelne Spieler sich im Spiel zu verhalten hat. Er ersinnt Spielsituationen, erarbeitet Pläne, wie diese zugunsten seiner Mannschaft gestaltet werden können und denkt sich Trainingsformen aus, um seiner Mannschaft das richtige Verhalten in diesen Spielsituationen zu vermitteln. Beim austüfteln dieser Prozesse berücksichtigt der moderne Trainer auch, was über den jeweiligen Gegner an Informationen bekannt ist und versucht dies in seine Pläne zu integrieren und ebenfalls seiner Mannschaft zu vermitteln. Vom ersten Training der Vorbereitung an wird daran gearbeitet, Abläufe, Lauf- und Passwege, etc. zu implementieren und zu Automatismen zu machen. Bei erfolgreicher Arbeit weiß jeder Spieler, wie er sich in welcher Situation zu verhalten hat und setzt es auch um. In den letzten Jahren hat es sich etabliert, solcherart arbeitende Trainer als "Konzepttrainer" zu bezeichnen, man redet von "Spielidee", Mannschaften haben einen "Matchplan". Das Ergebnis ist für einzelne Mannschaften oft sehr erfreulich, insgesamt trägt es möglicherweise auch seinen Teil dazu bei, daß die Bundesliga von Mannschaften bevölkert, ja fast überbevölkert ist, die uninteressant daherkommen, es ist mit wenigen Ausnahmen ein Einheitsbrei, es besteht eine gewisse Austauschbarkeit. Ich jedenfalls nehme kaum Anteil, für mich ist es egal, ob da Hertha auf dem Platz steht, oder Ingolstadt, Darmstadt, Wolfsburg, Augsburg, Mainz, Köln oder Schalke. Ob die Bayern 2:0 oder 4:0 gewinnen ist auch wurscht.
Da kommt einer wie Veh, dessen erkennbare Handschrift so ganz anders ist, dann gewissermassen doch sehr angenehm daher. Würde je ein Englischer Club auf die absurde Idee kommen, ihn zu verpflichten, dann müsste man ihn als "The other one" vorstellen.
Spielidee? Konzept? Plan? Automatismen? Training als individuelle Vorbereitung auf Spiel und Gegner? Überschätzt! Nur was für Spießer, zwanghafte Charaktere, die etwas gegen den Zufall haben. Am Riederwald haben wir (also ich nicht, aber Gaudino & Co.) schon T-Shirts mit "Why be normal" getragen, da waren die meisten heutigen Trainer noch Jugendspieler (auch wenn die T-Shirts nur eine Werbekampagne von Puma waren). Es kann auch reichen, wenn man seine Mannschaft mit Vorgaben auf den Platz schickt, die auch eine Freizeittruppe vom Bolzplatz verstehen würde. Vier hinten, fünf im Mittelfeld, einer vorne. Noch einen "erster Alles" bestimmen, das reicht ja wohl. Im Training ein paar Leibchen verteilen, jung gegen alt oder Abwehr gegen Angriff spielen lassen, Torschußtraining mit Zahlung in die Mannschaftskasse bei Fehlschüssen, bei zu laschen Leistungen auch mal zur Strafe Konditionstraining. Ist ja ein Spiel. Soll Spaß machen. Für die Laune ist der Trainer zuständig, das kann er. Den Spielern lästigen Input, der sie nur überfordern würde, ersparen ist auch wichtig. Die wollen keinen, der dauernd das Training unterbricht, um zu zeigen, wo sie stehen oder laufen sollen. Hat der Veh vielleicht ganz gut im Gefühl, was seine Jungs brauchen und was nicht. Und stundenlang Eckbälle und andere Standards trainieren, nur weil man vielleicht im Spiel mal in die Situation kommen könnte? Nicht in meinem Verein. Vorbereitung? Dient dem Kennlernen, Urlaubsspeck Wegtrainieren, in schöner Umgebung fern der Heimat etwas durchatmen und entspannen Können. Fast schon schalkhaft die bereits mehrfach gehörten Veh'schen Einlassungen, er hätte (nach der Vorbereitung) gedacht, die Mannschaft sei schon weiter bzw. die Mannschaft sei nicht fit (etwa um die Mitte der Halbserie).
Wie gesagt, eigentlich ganz sympathisch, nicht jede moderne Entwicklung mitzumachen, dem uniformen, stromlinienförmigen Fußball eine Absage zu erteilen, dem stupiden Leistungsstreben, dem Huldigen des Götzen Erfolg zu entsagen. Subtil und subversiv, wären unsere Welt und unser Fußball vielleicht Bessere, wenn das Beispiel Veh Schule machen würde. Er gibt dem Fußball seine Unschuld zurück, schickt seine Mannschaft zum Spielen aufs Feld, so wie wir uns damals auf der Kirchenwiese aufgestellt und getummelt haben.
Ob es auch gut geht, ob man auch so, wie es bei der Eintracht versucht wird bestehen kann, ist allerdings eine ganz andere Frage.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

No sleep 'till Eintracht

Mit Günther Koch zu sprechen: "Ich kann das nicht mehr, ich will das nicht mehr!"
Oder mit Jean Löring: "Hau ab in die Eifel, Du machst meinen Verein kaputt!" (Natürlich weiß ich, daß es nicht mein Verein ist)
Da ich alles schon vor Längerem gesagt habe, gewußt habe, wie es nur kommen konnte, will ich zur wie gesagt seit Monaten sich abzeichnenden und aktuell eingetretenen Lage der Eintracht nicht viel schreiben. Ist ja auch eher unangenehm, wenn einer ständig mit "ich hab's doch gleich gesagt" kommt.

Von der Eintracht will ich als nächstes eigentlich nur vernehmen, daß der Trainer geht oder entlassen wird und daß ein paar Verantwortliche außer Bruchhagen und Hübner auch ihre Ämter aufgeben. Es wäre fahrlässigst, Veh noch die Vorbereitung in der Winterpause zu überlassen, da er neben allen anderen Mängeln Vorbereitung überhaupt nicht kann.

Und falls irgendjemand von der Eintracht diesen Post lesen sollte: Seht her, ihr Zerstörer, was ihr da so dermassen mit Füßen tretet


Das werden wir wohl nicht mehr erleben: Eintracht als einer der führenden Clubs etabliert und als Krönung 1959 deutscher Meister geworden. Gegen eine andere absolute Spitzenmannschaft jener Zeit.

1975 mit mehreren Nationalspielern, allen voran natürlich den beiden Weltmeistern Grabi und Holz (Deutschlands Stolz). Die Eintracht wurde in der Bundesliga respektiert, schoß Tore am Fließband und landete in jenen Jahren regelmäßig im Europapokal. 

1976/77, nach dem Trainerwechsel von Roos zu Lorant. Bis heute die Eintracht-Mannschaft, die mich am meisten begeistert und mitgerissen hat. Sie schossen die meisten Tore (86), stellten zwei Spieler mit >20 Toren (Holz 26, Wenzel 20) und blieben unter der Regie des damals besten Zehners Deutschlands - Jürgen Grabowski - 21 Spiele hintereinander ungeschlagen. (Und wurden natürlich nicht Meister) Damals war übrigens noch die Anlage im Riederwald Mittelpunkt des Eintracht-Kosmos.

1981: Das letzte Hurra der großen Mannschaft, schon ohne Grabi, aber noch mit Holz, "Dr. Hammer" Bernd Nickel, Willy Neuberger, Körbel und den neuen Stars Pezzey und Cha.

Die Mannschaft, die den Eintracht-Fans den bis dahin (1992) größten Schmerz zugefügt hat - indem sie nicht deutscher Meister wurde! Ein manchmal wundervoll aufspielendes Team, in dem Stein, Binz, Roth, Zchadadse, Weber und Falkenmayer die Basisarbeit erledigten. Bein, Möller (trotz großartiger Leistungen in Frankfurt m.E. verkannt) und Yeboah zauberten an guten Tagen. Wenn es nicht lief, wurde Sippel eingewechselt und erzeilte die nötigen Tore. Gelegentlich übernahm auch Heinz Gründel das Zaubern. Es reichte aber nicht, weil reihenweise, vor allem zu Hause (siehe meinen Post "Orte der Schande" über das Waldstadion), Punkte regelrecht verschenkt wurden.
Ein Abstieg war für all diese Mannschaften jenseit aller Vorstellungskraft. Heute denkt man schon wieder in die Richtung, man ist inzwischen leidgeprüft, sieht das Positive darin (planmässig mehr Siege als Niederlagen).

Wie mache ich einen Bundesligaverein kaputt - ein Lehrstück

Es geht folgendermassen:
Ich lasse den Verein zunächst systematisch von überforderten und dilletantischen Idealisten herunterwirtschaften. Beinhaltet auch, Vereinsgelände und Nachwuchs dem Ver- und Zerfall anheimgeben. Dauert ein paar Jahre. Wenn der Verein dann so in Not ist, daß er auf finanzielle Hilfe von außen angewiesen ist, dann kommen die, die sonst niemals etwas zu melden gehabt hätten, machen ihre Brieftaschen auf und retten. Nach dem Motto "irgendwann, ich weiß noch nicht wann, werde ich Dich um einen Gefallen bitten", holen sie sich als Lohn für ihr Investment Einfluß, Mitsprache, Macht. Obwohl sie, außer als Geldgeber und Fan, nichts mit Fußball zu tun haben und nichts davon verstehen.
Dann braucht es noch einen, der mit Sonntagsreden und populistischem Auftreten die Fans hinter sich bekommt, sogar - in einem Sportverein - eine "Fan- und Förderabteilung" installiert, damit sie sich wichtig vorkommen, sich somit eine Hausmacht sichert, zum Präsidenten gewählt wird und somit eine Anteilsmehrheit an der Fußball-AG in die Hände bekommt. Auch dieser Präsident hat keine Ahnung von Fußball, wie sich wohl von selbst versteht. Dann muß man nur noch einen Gefolgsmann dieses Präsidenten irgendwie in den Vorstand der Fußball-AG hieven, um näher ans operative Geschäft zu kommen. Sollte einer sein, der aus den Kreisen der Fans kommt, dort einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, z.B. über die vom Präsidenten instalierte "Fan- und Förderabteilung", damit er unverdächtig ist. Sollte irgendwas vorzeigbares gelernt haben, einen Schlips binden können, mit Füller schreiben und mit Messer und Gabel essen können. Anwalt wäre ganz gut.
Dann noch ein paar unliebsame Entscheider, die Augenmaß, Sachverstand und zuviel Vernunft walten lassen und mit denen man keinen Spaß im Nachtleben haben kann, eliminieren bzw. sukzessive entmachten, wenn sie sich nicht mit den Mächtigen gemein machen wollen.
Dann ist es unser Verein, wir stehen ständig in der Zeitung, einen Teil der Presse machen wir uns auch noch gefügig, damit in mindestens einer relevanten Zeitung keine kritische Berichterstattung erfolgt.
So ist man schon mal auf sicherem Kollisionskurs. Fehlt nur noch das Sportliche. Um die Katastrophe auch wirklich sicher herbeizuführen, braucht man noch den "richtigen" Trainer. Am besten auf das Bewährte zurückgreifen. Einen, der schon nachhaltig bewiesen hat, daß er in den maßgeblichen Fachgebieten nichts drauf hat, nämlich zielführende Trainingssteuerung, erfolgversprechende Spielidee (über "gehts raus und spielts" hinaus), Vermittlung der Umsetzung, Handlungspläne für die Spieler für diverse etwaige Spielsituationen, Saison- und Spielvorbereitung, Flexibilität, Entwicklung und Ausbildung einzelner Spieler. Einen, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit zeigt, daß er mit Traineraufgaben und der eigenen Mannschaft nichts am Hut hat, z.B. indem er Sachen sagt wie "Ich dachte, wir wären schon weiter!" Natürlich hält man an diesem Trainer fest, auch nachdem dessen Handschrift für alle nicht mehr zu übersehen ist. Hat ja schon bei dessen erstem Engagement keinen gestört, daß der seinen Job nicht beherrscht. Man läßt ihn auch noch die Wintervorbereitung machen, damit ganz sicher ist, daß die Mannschaft auch zum Rückrundenstart nicht ihr Potentzial abruft. Wenn dann im April ein Abstiegsplatz gefestigt ist, wird doch noch der Trainerwechsel vollzogen, es wird natürlich keiner mit Perspektive geholt, sondern einer, der schon öfter im April noch auf dem Markt war, und der seinen Zweijahresvertrag natürlich nicht erfüllen wird.  A pro pos Zweijahresvertrag. Natürlich hatte der aktuelle Trainer, der noch nirgendwo etwas nachhaltiges hinterlassen hat und der, als man noch mit ihm glücklich war immer nur für ein Jahr unterschrieben hatte, damit er leichter wegkommt, ausgerechnet jetzt einen Zweijahresvertrag bekommen.
Selbstverständlich verbindet den Präsidenten und diesen Trainer eine Männerfreundschaft, die jedes Wochenende in einschlägigen Etablissements gebührend begossen wird. Trennung also länger kein Thema als in anderen Clubs in vergleichbaren Situationen. Nicht vergessen: Das Ziel, das schnurstracks angesteuert wird, ist ja eine nachhaltige Beschädigung des Clubs. Wird schon klappen.
Zum Glück nur meiner Phantasie entsprungen, würde doch so in der Realität kein Vorstandsvorsitzender, keine Stadt, keine Anhängerschaft, kein Presseorgan einfach geschehen lassen! Oder? 

Sonntag, 29. November 2015

Neues Lebenszeichen nach Auswärtsfahrt

Ein wunderschönes Wochenende könnte so aussehen: einen lieben alten Schulfreund und Exil-Frankfurter besuchen, zusammen wie einst in den 80ern ein Spiel ansehen und ein paar schöne Tage bei ihm und seiner Familie verbringen. Die Vorzeichen waren fast perfekt, das Schicksal in Form der Spielplanmacher meinte es außerordentlich gut mit uns. Ausgerechnet am 27.11. traf der Nachfolgeclub der Eishockey-Eintracht in der inzwischen auch schon alt-ehrwürdigen Franz-Siegel-Halle auf den Freiburger EHC.
Das Spiel war dann nicht besonders, die Löwen waren zwei Drittel optisch drückend überlegen, führten ohne Mühe mit 2:0, schienen gewillt, es gemütlich runter zu spielen und die Freiburger schienen hilf- und planlos, hatten die Löwen auch im Vorfeld des Spieles zu haushohen Favoriten erklärt. Dann das Schlußdrittel, aus einem harten Check hinter dem Löwen-Tor entbrennt eine handfeste Schlägerei, in die sich schlauerweise drei absolute Leistungsträger der Löwen verwickeln lassen. Folge: Thomassoni und C. Breitkreuz lange auf der Strafbank, Mazzolini hernach verletzt, lange auf der Bank behandelt und nicht mehr eingesetzt. Bei den Löwen lief dann nichts mehr, Freiburg schoß ein Tor aus dem Nichts, ein zweites hinterher, noch ein Penalty (den man nicht geben mußte), schon war ein sicherer Sieg hergeschenkt. Ore sah im letzten Drittel aus wie Dieter Jehner manchmal, sind ja auch ungefähr gleich alt. Was solls, hat dennoch Spaß gemacht, mal wieder ein Auswärtsspiel zu sehen.


Erster Freiburger Bundesligakader. Mit dabei zwei spätere Aufstiegshelden der Eishockey-Eintracht: Klaus Guggemos (hintere Reihe, Mitte) und James Münch (als James Caan-Doppelgänger in der mittleren Reihe). Die Eishockeywelt war klein in Deutschland und in der DNA der Aufstiegsmannschaft der Eintracht findet sich eine wichtige Portion Freiburg. Neben Münch hatte die gesamte, in der Aufstiegsrunde formidabel spielende, zweite Sturmreihe vor ihrem Engagement in Frankfurt in Freiburg gespielt. Neben oben genanntem Klaus Guggemos auch Alexander Groß und Elias Vorlicek.

Die vier Ex-Freiburger im Kader der Eishockey-Eintracht von 1985/86. Alle wertvolle Leistungsträger, Münch und Vorlicek schon seit 1984, Groß und Guggemos als Neuzugänge, die hervorragend einschlugen. Sie alle waren durch ihre Leistungen mit ausschlaggebend für den Aufstieg in die erste Bundesliga.





Donnerstag, 23. Juli 2015

Sensationeller Neuzugang aus Berlin!

Aus dem Leben eines nicht organisierten/vereinslosen Stadionansichtskartensammlers

"Eine Sammlung, zu der nichts Neues hinzukommt, ist tot!" (Sigmund Freud)

Endlich in meiner Sammlung, die legendäre "Plumpe". Die einzige mir bekannte Ansichtskarte mit dem Hertha-Stadion! Gut, ich bin auch nur ein kleiner Fisch unter den Sammlern, muß auch nicht alles haben, wo ein Stadion drauf ist.
Diese wie gesagt einzige mir je begenete Karte von der Plumpe ist kurioserweise eine Zweibildkarte mit einem Kartoffelacker als weiteres Bild. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, so ist sie tatsächlich echt, authentisch aus den 40er Jahren. M. Förster fragen, der hat sie auch. Auf der Rückseite ist ein Poststempel zum 50. Jubiläum der Hertha 1942. Kurz nachdem sie auf einer Börse in FFM für 22 € angeboten wurde, fand ich sie bei E-Bay für die Hälfte und schlug zu, obwohl zweistellige Beträge eigentlich über meiner Schmerzgrenze liegen. Kurz nach dieser Auktion war sie nochmal bei E-Bay, diesmal für 25€. Alles relativ.



Freitag, 19. Juni 2015

Stadionalbum 33: Sweet home Chicago

Das Lied, wohl am bekanntesten durch den Live-Auftritt der legendären Blues Brothers im Palace Hotel Ballroom, geht mir nicht mehr aus dem Kopf, seit diese Woche der Stanley Cup zum sechsten Mal in die Windy City wanderte.
Chicago ist nicht nur die drittgrößte Stadt der USA und eine der schönsten, sondern auch eine der sportverrücktesten.
Chicago verfügt über eine beinahe (wenn NY nicht wäre) einzigartige Sporttradition:

NHL: Chicago Blackhawks (seit 1926) - Stanley Cup 1934, 1938, 1961, 2010, 2013, 2015.

NBA: Chicago Bulls (seit 1966) - NBA-Titel 1991, 1992, 1993, 1996, 1997, 1998.  
ehemalige NBA-Teams: Chicago Stags (1946-1959), Chicago Packers (1961-62) und Zephyrs (1962-63). Letztere sind nach Besitzer- und Ortswechseln über Baltimore inzwischen in Washington D.C. zuhause als Wizards.

MLB:
National League: Chicago Cubs (seit 1870) - World Series 1907, 1908.

American League: Chicago White Sox (seit 1900 in Chicago) - World Series 1906, 1917, 2005.

NFL: Chicago Bears (gegründet 1919 als Decatur Staleys, seit 1921 in Chicago, seit 1922 als Bears) - NFL Champions 1921, 1932, 1933, 1940, 1941, 1943, 1946, 1963, 1985 (Super Bowl XX).
ehemalige NFL-Teams: Chicago Cardinals (1920-1959, NFL-Champion 1925, 1947), inzwischen über St. Louis (1960-1987) nach Phoenix/Arizona umgezogen.


Chicago Stadium war das Zuhause der Blackhawks von 1929 bis 1994, Heimstatt von drei Stanley-Cup-Siegern. Nach dem Triumph von Bobby Hull, Stan Mikita (in Wayne's World verewigt), Pierre Pilote und Glen Hall 1961 mußten die Fans 49 Jahre lang auf den nächsten Cupsieg warten, das legendäre "Madhouse on Madison" erlebte das Hissen des vierten Banners nicht mehr. Bei Eröffnung die weltweit größte überdachte Sportarena, war die imposante Halle für ihr leidenschaftliches Publikum, Gänsehautatmosphäre und die ohrenbetäubende Orgel berühmt.

Ab 1967 war Chicago Stadium auch Heimat der Bulls, die hier ihren ersten Titel-Hattrick feierten, mit Michael Jordan, Scottie Pippen u.a.

Auch die Nachfolge-Arena, derzeit glaube ich noch unter dem Namen "United Center2 firmierend, ist bei den Blackhawks-Spielen immer ausverkauft, die durch die anderen Sportarten nicht verwöhnten Chicagoer durften hier eine relative Titelflut bejubeln. Hawks und Bulls konnten hier bereits genau so viele Titel feiern wie in der fast 70-jährigen Geschichte des "Stadium".

Comiskey Park, Stadion der White Sox von 1910 bis 1990. In der South Side gelegen, keiner besonders attraktiven Gegend. Neben dem Sieg in der World Series 1917 sind die Jahre in Erinnerung geblieben, in denen Bill Veeck Besitzer der Sox war. Nachdem er als Besitzer der St. Louis Browns einen Lilliputaner einsetzte, einen Einarmigen Spieler antreten ließ und das Publikum mittels hochgehaltener Schilder die Mannschaft coachen ließ, kam er 1979 in Chicago auf die glorreiche Idee, die "Disco demolition night" zu veranstalten, zwischen den 2 Begegnungen eines doubleheader. Der Scheiterhaufen zur Verbrennung von durch Zuschauer mitgebrachten Disco-Schallplatten und die Verwüstungen durch die Fans verunmöglichten dann die Austragung des zweiten Spiels.

Seite an Seite mit dem sehr in die Jahre gekommmenen legendären Comiskey wuchs das Nachfolgestadion in die Höhe. Kaum zu glauben, daß der Zuschauerrekord in Comiskey bei 55.000 Zuschauern lag, New Comiskey dagegen mit einer Kapazität von 44.000 eröffnet wurde.

Bei seiner Eröffnung 1991 war "New Comiskey" ein Vorreiter der Retro-Ballpark-Welle, inzwischen wirkt das Stadion schon wieder etwas überholt und angejahrt.

Comiskey ist verschwunden, nach einigen Jahren verschwand das "new" aus dem Namen des Nachfolgers. In der Bildmitte ist die Anzeigetafel zu sehen, eine modernistische Nachbildung der legendären Tafel, die Bill Veeck errichten hatte lassen. Mit den rotierenden Scheiben, Fanfaren und Feuerwerksexplosionen hatte sie ein bis dahin unbekanntes Spektakel geboten.

Wrigley Field, 1914 unter dem Namen Weegman Park eröffnet gehört zu den Ikonen des amerikanischen Kulturguts, über Baseball hinaus. Inzwischen ist das Stadion das zweitälteste der Major League, nach Bostons Fenway Park. Diese beiden sind als einzige Vertreter einer romantisch verklärten Baseball-Ära übrig geblieben. Die anderen bedeutenden Schauplätze der amerikanischen Sportart schlechthin, Sportsmans Park (St. Louis), Ebbets Field (Brooklyn), Shibe Park und Baker Bowl (Philadelphia), Forbes Field (Pittsburgh), Comiskey Park (s.o.), Crosley Field (Cincinnati), Polo Grounds (New York) und Tiger Stadium (Detroit), allesamt intime, in Stadtviertel eingebettete und mit den Vierteln verwachsen, sind Geschichte.


Wrigley Field wurde 1916 Heimat der Cubs, jener "loveable losers", deren notorische Erfolglosigkeit schon sprichwörtlich ist. Ihre einzigen Meistertitel gewannen die Cubs noch in ihrer vorherigen Heimstatt (hieß glaube ich Westside Park o.ä.). Von 1921 bis 1970 war das Stadion außerdem die Heimat der Chicago Bears. Auf dieser Abbildung ist das Stadion noch ohne Flutlichter. Einer Bürgerbewegung nach hätte es so bleiben sollen, die "no lights in Wrigley Field" - T-Shirts waren Mitte der 80er Jahre sehr präsent in der Stadt und sind in einigen in Chicago spielenden Filmen zu sehen.



Neben den Cubs spielten bis 1970 auch die Chicago Bears ihre Heimspiele in Wrigley. In den ersten Jahrzehnten der NFL durchaus üblich, ehe die Liga und ihr Publikumszuspruch zu groß für die oft nicht mehr als 40.000 Menschen fassenden Baseballstadien wurde.

Soldier Field steht seit 1924, ist aber erst seit 1970 permanentes Heimstadion der Bears. Am südlichen Ende des Grant Park gelegen, ist Lake Michigan nur einen Hail Mary-Pass entfernt und sorgt oft für kalte Winde. Ohnehin ist das Klima in Soldier Field oft sehr rau.

Das altehrwürdige Stadion mit seinen charakteristischen, antikisierenden Säulen-Aufbauten sah einige Jahre lang sehr mittelmäßige Bears-Teams, ehe der Draft Walter Paytons und die Ankunft Mike Ditkas eine neue Ära einläuteten, die mit dem Superbowl-Sieg der '85 Bears ihren Höhepunkt fand.  

So sieht Soldier Field, eines von wenigen NFL-Stadien ohne Sponsorennamen, heute aus. Der Umbau in den Grundmauern des alten Stadions fand 2002 - 2003 statt und brachte äußerst steile Ränge bei insgesamt relativ geringer Kapazität. Nach den glorreichen 80er Jahren unter Mike Ditka gab es lange nichts mehr zu feiern für die Bears-Fans, in den unter dem Strich noch erfreulichen Jahren unter Coach Lovie Smith sprang keine weitere Meisterschaft mehr heraus und nach ihm wurde es richtig schlimm für die Bears. 

Die University of Illinois in Champaign-Urbana war während des Umbaus von Soldier Field 2002 die Heimat der Bears. Womit sich irgendwie ein Kreis schloss, da diese Universität die Alma Mater des unvergessenen George S. Halas war, allerdings absolvierte er hier sein Ingenieurstudium, bevor 1923 Memorial Stadium eröffnet wurde.