"if you can't beat them in the alley, you can't beat them on the Ice" - (Conn Smythe) Aus dem Poesiealbum der Broad Street Bullies, der deutschen Nationalmannschaft gewidmet!

Mittwoch, 3. Februar 2021

Super Bowl-Gastgeber Tampa im Lauf der Zeit


zum 17. Mal findet ein Superbowl-Finale im Staate Florida statt. Eine naheliegende Wahl, da hier nicht nur das Wetter verlässlich schön ist, sondern es auch geeignete Stadien gibt. U.a. in Tampa, Teil der am Golf von Mexico gelegenen Metropol-Region Tampa/St. Petersburg.

Tampa Stadium oder auch Houlihan's Stadium in seiner ursprünglichen Form nach der Eröffnung 1967, deutlich bevor ein NFL-Team in Tampa Einzug hielt. Wie auch dem Bonusmaterial von "The Song Remains the Same" zu entnehmen, spielten hier 1973 Led Zepelin vor 57.000 Zuschauern, was seinerzeit einen Rekord für Einzelkonzerte bedeutet haben soll. 


Nachdem Tampa ein NFL-Team bekommen hatte wurden die Endzonen mit Tribünen versehen, wodurch die Kapazität von ursprünglich 46.000 auf bis zu 74.000 erhöht wurde. In den ersten Jahren der Ligazugehörigkeit waren die Buccaneers eine Lachnummer, die schlechteste Mannschaft der Liga und ihr Coach McKay sorgte des Öfteren mit beißenden Kommentaren über sein eigenes Team für zusätzliche Lacher. Logischerweise waren die Ränge nur so gut gefüllt wie auf diesem Bild, wenn der Gegner eine gewisse Zugkraft besaß.

Zweimal wurde eine Super Bowl in Tampa Stadium ausgetragen, doch anders als cross-state-Rivale Miami waren die Buccaneers nie ein ernsthafter Anwärter auf eine Playoff-Teilnahme, was auch an der Gruppeneinteilung der NFL lag. Regional war es nicht ganz stimmig, aber das Team von der Golfküste spielte in der damaligen NFC Central mit den nahe der Kanadischen Grenze beheimateten Green Bay, Chicago, Minnesota und Detroit (die zwei letztgenannten spielten immerhin ab den 80er Jahren in Hallen). Sportlich gab es da für die Liganeulinge lange Zeit nichts zu bestellen, schon ein positiver Record war für Tampa Bay (der Teamname sollte mit dem Zusatz "Bay" auch Fans von außerhalb der Stadt ansprechen) die Ausnahme in den ersten 20 Jahren.  

Wesentliche Veränderungen gab es nach 1976 nicht mehr am Stadion, sieht man von der Expansion des Logengebäudes oberhalb der Tribüne ab. In den 90er Jahren aber gelang die Wende durch gute Draftpicks und die Verpflichtung von Tony Dungy als Headcoach. Waren nicht zuletzt die ursprünglichen Teamfarben als an Lutscheis erinnernd und das Teamlogo als weichlich verspottet worden, so signalisierte auch hier ein Wechsel einen Wendepunkt. Fortan waren Farbschema und Logo bedrohlicher, passend zur einschüchternden Defense, die Dungy etablierte. 1996 war der Logo- und Farbwechsel erfolgt, 1997 schließlich fand das letzte Spiel in Tampa Stadium statt.  


Das neue Stadion war einige Tausend Plätze kleiner und überragte dennoch den Vorgänger (im Hintergrund noch zu sehen) um mehrere Stockwerke. Die ungewöhnliche, in der NFL einmalige Form des alten Stadions war der weiter verbreiteten achteckigen Bauweise gewichen. Eine Unverwechselbarkeit erreichte das neue, nach einer Investmentfirma benannte, Stadion durch das Piratenschiff hinter einer der Endzonen. Disneyland ist überall. Mit der äußeren Neuausrichtung (Logo, Farben, Stadion) kam auch der Erfolg und die Respektabilität, nachdem nicht lange vorher ein Wegzug des Teams gedroht hatte, weil die Besitzverhältnisse und auch die wirtschaftliche Situation nach dem Tod des ursprünglichen Teameigners auf sehr wackligen Beinen gestanden hatten. 



Die Früchte der jahrelangen Aufwärtsentwicklung erntete nicht mehr ihr "Vater" Tony Dungy, sondern der von den Raiders losgeeiste John Gruden, der den Buccaneers den einzigen Super Bowl-Sieg schenkte. Dungy hatte leider nicht genug Playoff-Erfolge, die die sehr guten regulären Saisons unter seiner Regie abgerundet hätten. Den Bucs unter Gruden half sicher, daß ihre Gegner im Finale ausgerechnet sein vorheriges Team, die Raiders waren. Trotz eines Jahres unter einem neuen Headcoach hatten es die Raiders wohl versäumt, ihr Playbook aufzuräumen. DE Warren Sapp, S John Lynch und ihre Kollegen waren überrascht und konnten es nicht fassen, wie viele Spielzüge der Raiders sie richtig vorausahnten, was zu nur 19 rushing Yards, 5 Interceptions, 5 QB Sacks führte und zur 48-21 Deklassierung der Raiders. U.a. waren sämtliche Audible-Signale noch die, die Gruden bei den Raiders installiert hatte! So wird es für immer ungeklärt bleiben, ob die Bucs-Defense auch ohne diesen Vorteil die nominell beste Offense (die Raiders) besiegt hätte. Es dürfte ihnen aber vermutlich ziemlich egal sein.

 

Freitag, 27. November 2020

HAPPY BIRTHDAY Trevor Erhardt #27

 

Graffito eines unbekannten Künstlers


Donnerstag, 20. August 2020

Zum Tod von Dale HAWERCHUK

Der hiesigen Presse keine Meldung wert, erfuhr ich die traurige Nachricht durch NHL.com: Dale Hawerchuk ist im Alter von nur 57 Jahren an Krebs gestorben. Mir ist er ein paar Zeilen wert, weil er der beste Eishockeyspieler ist, den ich je live, also nicht im Fernsehen sondern in einer Eishalle spielen sah. 
Ich habe sicher einige sehr, sehr gute Spieler in Frankfurt und anderswo gesehen, Weltklassespieler, auch Spieler, die in ihren besseren Zeiten Weltmeistertitel (Chalupa, Dvorak, Lala, Lukac) gewonnen hatten oder NHL-Stammspieler waren (Simmer, Gare, Valentine, Lee, Sims, Frycer), Stanleycup-Sieger wie Pouzar und auch spätere Stars wie Shanahan und Sakic. Aber kein Spieler hat mich je so beeindruckt wie Dale Hawerchuk, als er in der WM-Vorbereitung 1989 mit dem Kanadischen Team in Frankfurt gegen die deutsche Nationalmannschaft antrat. Eine derartige Präsenz, Dynamik sowie läuferische und stocktechnische Finesse habe ich nie bei irgendeinem anderen Akteur auf dem Eis gesehen.
Von ihm gelesen hatte ich seit Mitte der 80er Jahre in den NHL-Jahrbüchern der "Sporting News" bzw. dem Jahrbuch 1986 von Zander Hollander und den damaligen Scouting Reports, wo er jahrelang zu den besten Spielern der Liga gezählt wurde. Dann gab es eine Zeit lang NHL-Zusammenfassungen in "Sportkanal" und anderen kleinen, obskuren Sendern. Zum ersten Mal im Fernsehen sah ich einen überragenden Hawerchuk in einer Zusammenfassung eines Spieles seiner Jets gegen die Calgary Flames, das die Jets 10:1 gewannen. Jene lange Zusammenfassung war übrigens von Gerd Rubenbauer kommentiert worden. Einen solchen Ausnahmespieler einmal auf Frankfurter Eis gesehen zu haben, erachte ich bis heute als einen Glücksfall. 
Sein "Pech" war, daß er mit den Winnipeg Jets für ein Team spielte, das nicht genug in einen starken Kader investieren konnte, um an der damals übermächtigen Konkurrenz von Edmonton, Calgary und auch L.A. vorbeizukommen. Und für persönliche Lorbeeren in Form von Einzelauszeichnungen war die Konkurrenz durch Gretzky, Lemieux zu übermächtig. Er gehörte zu einer Handvoll Spieler, die in jeder anderen Ära mindestens eine Hart-Trophy gewonnen hätten und mit 130 Punkten auch die Art Ross-Trophy gewonnen hätte, wenn es nicht die Ära der zwei besten Scorer aller Zeiten gewesen wäre (Gretzky 4x über 200 Punkte und Lemieux, der fast nie 80 Saisonspiele schaffte mit mehrmals 160 bis 199), so daß er neben Savard, Messier, Stastny, Francis, Yzerman, Nicholls um nur die herausragendsten zu nennen, mit der zweiten Reihe vorlieb nehmen mußte.
 Mehr über seine Erfolge, Verdienste, darüber, warum er trotz Ausnahmekönnen nicht die größte Bekanntheit genoß und wie seine Zeitgenossen an ihn zurückdenken, kann der Interessierte z.B. auf "The Hockey News" oder NHL.com nachlesen oder im englischsprachigen Wikipedia.


Ticket zum Länderspiel in der WM-Vorbereitung. Erstmals leibhaftige NHL-Profis in Person, live auf Frankfurter Eis, darunter auch der großartige Dale Hawerchuk. 





Donnerstag, 28. Mai 2020

Höhepunkte der Sammlung - heute: Berliner Sportpalast

Wenn ich schon keine Ansichtskarte mit der Eissporthalle an der Jaffestraße finde, dann sei hier wenigstens eine frühere Heimstätte des Berliner Eishockey präsentiert. Der Berliner Schlittschuhclub hatte vor dem 2. Weltkrieg davon profitiert, daß Berlin eine der wenigen Städte in Deutschland war, die über Kunsteisflächen verfügte. U.a. deshalb war der Schlittschuhclub das Maß aller Dinge und errang 16x die deutsche Meisterschaft. Gespielt wurde auch im Sportpalast, vor teilweise imposanten Kulissen, Eishockey war durchaus "in" im Berlin der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Dann kam der Krieg und der Sportpalast, eigentlich ein Ort des Vergnügens und der Zerstreuung, von den im Stechschritt marschierenden, Bücher verbrennenden, brüllenden, dem Land die Kultur austreibenden  Nazis gerne als Schauplatz gigantomanischer Propagandaveranstaltungen mißbraucht, wurde durch Bombentreffer weitgehend zerstört. 
Ende der 40er Jahre wurde dann begonnen, auf dem Fundament und in den stehengebliebenen Mauern des alten Palastes, eine Eis-Arena aufzubauen, wie auf der Karte zu sehen mit teilweise überdachten Tribünen.

Der Sportpalast als Eisstadion, mitten in Berlin! Dieser Zustand hielt nur wenige Jahre an, ehe wieder ein Dach errichtet wurde und der Sportpalast für die erneute multifunktionelle Nutzung umgestaltet wurde. Eishockey erlangte in Berlin erst wieder in den 1970er Jahren seine einstige Bedeutung, als der Schlittschuhclub in die Bundesliga aufstieg, 1974 und 1976 Meister wurde und bis zu seinem Konkurs 1982 immer im Vorderfeld der Tabelle zu finden war. Zu jener Zeit spielte der "Club" in der Halle in der Jaffestraße. 

Später, nach der Überdachung sah der Sportpalast von außen so aus - eher schmucklos im Vergleich zur Pracht der Vorkriegszeit. Eishockey fand nur noch selten hier statt, echte Publikumsrenner waren die Sechstagerennen, außerdem gab es regelmäßig Boxen, Konzerte und auch Wrestling, das damals noch als "Catchen" bekannt war. 1973 wurde der Palast abgerissen, weil der Betrieb, der keine staatlichen Subventionen erhielt, nicht mehr rentabel war. Als 1974 die Plumpe abgerissen wurde, verlor die Stadt damit innerhalb weniger Monate 2 legendäre, mythenumrankte Sportstätten!  

Das war der Sportpalast vor dem Krieg. Sehr elegant und gediegen. Die Sport- und Unterhaltungsveranstltungen zogen Zuschauermassen jeglicher Coleur an, vom Fabrikbesitzer bis zum Arbeiter. 






Mittwoch, 13. Mai 2020

Bundesliga 2020 reboot

Der geneigte Leser sieht: die zweiterfolgreichste Europapokal-Mannschaft der Eintrachtgeschichte. Wer im Marketing der SGE entschieden hat, daß die Eintracht auch in dieser Saison im EC wieder nicht in einer Neuauflage dieses so geschichtsträchtigen Trikots aufläuft weiß ich nicht, daß damit ein Verkaufsschlager verpasst wurde darf als ziemlich sicher gelten! 


Nun geht es also bald doch weiter mit dem Bundesliga-Fußball. Als Eintracht-Anhänger kann man das nur bedauern, war die Eintracht doch zuletzt wieder die formschwächste Mannschaft der Liga gewesen. 
Ende der Hinrunde hatte ich ja noch geunkt, es gebe keinen Anlaß zu erwarten, daß die SGE, zu jenem Zeitpunkt schlechteste Bundesliga-Mannschaft, in der kurzen Pause das Steuer würde herumreißen können. Nach der Winterpause hatte mich das Hütter-Team mit guten Ergebnissen dank fokussierter Leistungen ja noch Lügen gestraft. Dann aber folgten drei denkbar schwache Bundesligaspiele und die Heimblamage gegen Basel und leider war die Eintracht wieder die schwächste Mannschaft der Liga. Zum Glück kam dann die Pause schon nach nur drei Spielen und nicht wie in der Hinrunde erst nach 7 Partien (oder waren es 9?) als fortwährendem Offenbarungseid. Insgesamt scheint die Eintracht 2019/2020, mit Ausnahme der ersten 4-5 Spiele der Rückrunde nur in der Lage, ein- bis zweimal pro Monat eine gute Leistung auf den Platz bringen zu können und zwar wettbewerbsübergreifend. Gut gegen Leverkusen, gegen Bayern, im Europacup eine Halbzeit in London und im Hinspiel gegen Salzburg, sowie die genannten Spiele zum Rückrundenauftakt. das wars. Die spielerische Klasse, deren Fehlen die Autoren der Frankfurter Rundschau in der Rückrunde bemängelten, suggerierend, es hätte sie in der Hinrunde gegeben, fehlt meiner Meinung nach schon die ganze Saison. Auch die Bayern wurden nicht in erster Linie mit spielerischem Glanz besiegt, aber mit viel Herz und Willen. Genau das, was der Mannschaft in den meisten Spielen abgeht. Eine Frage der Einstellung der Spieler, des Charakters und der Kaderzusammenstellung. Da ist für die verbleibenden Spiele nicht mit großen Verbesserungen zu rechnen. Man kann also in Frankfurt nur hoffen, daß das Punktepolster der Eintracht auf die Abstiegsplätze reicht, um dieses Jahr drinzubleiben. Aus eigener Kraft werden sie nicht mehr weiter nach vorne kommen, jetzt fangen die Spieltage an, an denen schon in den vergangenen Jahren nicht mehr viel lief.  
Zum Glück gibt es Wichtigeres.

Denn im Grunde zeigt doch die Tatsache, daß dem Fußball hierzulande eine solche Bedeutung zugeschrieben wird, daß sich so viele Menschen so ernsthaft und mit so vielen Emotionen mit ihm befassen, wie gut es uns geht. Mit wirklich wichtigen Dingen, dem Überleben an sich oder wenigstens einer stabilen, gesicherten Existenz, beschäftigen sich in unserem Land nur wenige. 
Mal ehrlich: was macht es, wenn Clubs, die seit Jahren mißwirtschaften, auf Pump leben, Geld ausgeben, das sie (noch) gar nicht haben, folgerichtig in die Pleite gehen und von der Bildfläche verschwinden? Kein Schalke, Hertha oder Dortmund im Profifußball? Für ein paar Jahre nur, dann kämen sie ja sowieso wieder - Eishockey läßt grüßen. Ja und! Was soll daran so schlimm sein. In der Wirtschaft - und es wird ja dauernd darauf gepocht, daß die Clubs Wirtschaftsunternehmen seien - sind schon gesündere Unternehmen verschwunden.
Get a life!
Vielleicht haben DFL, Sky und Bild ja deshalb so einen Druck gemacht. Schnell wieder anfangen, bevor die Leute merken, daß gar keine Lebensqualität verloren geht, wenn es keinen Bundesliga-Fußball gibt.
In diesem Sinne viel Spaß mit "FIFA 20", dem endlich für alle sichtbar gewordenen wahren Charakter des "Spieles", zu dem es Rummenigge und Co. in den letzten Jahren gemacht haben.   

Mittwoch, 18. März 2020

Stadionalbum, neue Folge: MLB midcentury

Die höchste US-Amerikanische Baseball-Liga, major league, unterteilt in die ältere, in den 1870er Jahren entstandene "National League" und die um die Jahrhundertwende 1900 entstandene "American League", war bis in die 50er Jahre eine Angelegenheit der Ostküste, des "rust belt" von Pennsylvania und Ohio bis an die großen Seen und hatte die westlichste Ausdehnung in St. Louis. In den 50er und 60er Jahren kam es dann zu einigen Ortswechseln alteingesessener Mannschaften und schließlich auch zur Besiedlung bis dahin ignorierter Regionen. Dies machte entweder den kompletten Neubau von Stadien oder den Ausbau bereits vorhandener minor league-Stadien erforderlich.
Hier eine kleine Auswahl von in den besagten Jahrzehnten hinzugekommenen Stadien:



Die California Angels - so ihr Name während der längsten Zeit ihrer Existenz - wurden 1961 in die American League aufgenommen. 1966 wurde das abgebildete Stadion eröffnet und ist bis heute - nach Ausbau und wieder Rückbau - die Heimat des Teams.

Arlington Stadium wurde 1965 als minor league park mit 10.000 Plätzen eröffnet, während die Texas Rangers noch als (zweite Inkarnation) Washington Senators in der Landeshauptstadt spielten. Nach der Umsiedlung und Umbenennung des Teams fanden die Texas Rangers hier ihre Heimat. Im Laufe der Zeit wurde das Stadion auf 43.000 Plätze ausgebaut. 1993 zogen die Rangers in ein neues Stadion um.

Rechtzeitig für den Umzug der St. Louis Browns nach Baltimore wurde 1954 diese Ausbaustufe fertiggestellt mit zunächst 47.000, später 54.000 Plätzen. Neben den Baltimore Orioles spielte auch das NFL-Team der Baltimore Colts hier - so lange, bis Teambesitzer Irsay ein besseres Stadion wollte, nicht bekam und bei Nacht und Nebel das Team nach Indianapolis verpflanzte. Buchstäblich bei Nacht und Nebel: ohne Vorankündigung wurden eines Nachts Umzugslaster beladen und das Teamquartier ausgeräumt.

Metropolitan Stadium war 1956 eröffnet worden, in der Hoffnung, eine MLB-Franchise nach Minneapolis zu locken. Dies gelang schließlich 1960/61, als die ursprünglichen Washington Senators ihre Zelte in der Hauptstadt abbrachen. In Bloomington, nahe der Doppelgemeinde Minneapolis-St. Paul fanden die so entstandenen Minnesota Twins ihre Heimat für die nächsten 20 Jahre. Auch die Vikings aus der NFL spielten hier. Man kann sich anhand des Fotos vorstellen, wie hier sukzessive erweitert worden war, um die Kapazität von initial 18.000 auf über 50.000 zu erhöhen. 

Die Houston Astros waren 1962 gegründet worden und trugen in ihren ersten drei Jahren den Namen "Colt 45's" (in Texas wundert einen nichts). Während der Astrodome in Bau war, spielte das Team im 1962 als vorübergehende Heimat erbauten Stadion. 33.000 passten rein, in den drei Jahren von '62-'64 kamen aber insgesamt nur wenig mehr als in der ersten Saison im Astrodome. 

Das bereits 1923 eröffnete Kansas City Municipal Stadium (damals "Muehlenbach Field") war lange Zeit "nur" Heimat von minor league- und negro league-teams. 1955 zogen die Philadelphia Athletics nach KC und blieben bis 1967. Der in mehreren Quellen als etwas wunderlich und verschroben beschriebene Teambesitzer Charles O. Finley unterhielt auf dem Stadiongelände für die weniger am Spiel interessierten Besucher einen Streichelzoo und er soll auch immer wieder die Regeln bezüglich der Spielfeldgröße versucht haben zu dehnen. Das Stadion war für die A's auf knapp 34.000 Plätze ausgebaut worden. Dennoch zog Finley mit seinem Team 1967 weiter westwärts nach Oakland. Anders als die (Boston/Milwaukee/Atlanta) Braves, gelang es den A's nicht, in allen drei Heimatstädten eine world series zu gewinnen, sie holten 5 Titel nach Philadelphia, 4 nach Oakland und keinen nach K.C.. Auch der aktuelle Super Bowl Champ Kansas City Chiefs spielte hier (vor maximal 35.000), solange bis die NFL eine Mindestkapazität von 50.000 zur Auflage machte. Ein paar Jahre nach dem Wegzug der A's bekam K.C. mit den Royals ein neues Team, das vor Fertigstellung des "Truman sports complex" mit Arrowhead und Kauffman Stadium ebenfalls im hier abgebildeten Stadion spielte.

Architektonische Schönheit und Charme von Dodgers Stadium in den Hügeln über der Stadt sind oft beschrieben worden. Bevor die geliebten ehemaligen Brooklyn Dodgers allerdings hier 1962 ihre Heimat fanden, spielten sie einige Jahre im olympischen L.A. Coliseum, das durch seine Innenraum-Konfiguration für Baseball völlig ungeeignet war und einen grotesken Spielfeldzuschnitt bei Baseballspielen bedingte. Aber an der nach Baseball dürstenden Westküste strömten die Fans in Scharen und die Dodgers stellten im Coliseum Zuschauerrekorde auf, begrüßten teilweise über 90.000 Zuschauer. Heute ist Dodger Stadium das drittälteste Stadion der Liga und verkörpert nicht nur eine andere bauliche Epoche sondern auch ein anderes Lebensgefühl. Was in Boston und Chicago ganz normal ist, nämlich, daß man zu Fuß zu einem Spiel gehen kann, ist in L.A. undenkbar. Hier geht niemand zu Fuß und das Stadion ist auch gar nicht dafür ausgelegt, es sei denn man wäre bereit, eine 5 bis 10 km weite Wanderung zu absolvieren. 

Im Jahr 1925 wurde dieses Stadion in L.A. eröffnet als Heimat für u.a. die Los Angeles Angels aus der pacific coast league. Die damaligen Angels waren ein Farmteam der Chicago Cubs, hatten ergo den gleichen Besitzer, William Wrigley Jr.. So ergab es sich, daß das Stadion in L.A. "Wrigley Field" getauft wurde, ein Jahr bevor das Stadion der Cubs in Chicago diesen Namen auch erhielt. Als die neu in die American League aufgenommenen L.A. Angels den Spielbetrieb aufnahmen, waren Stadion und Umgebung bereits heruntergekommen und verfallend. Dieser Umstand und die geringe Kapazität von knapp 22.000 führten dazu, daß die Angels nach einem Jahr in Wrigley drei Jahre im Stadion der Dodgers als Untermieter spielten, ehe ihr eigenes Stadion (s.o.) fertig geworden war.

Milwaukee gehört zu den Städten, die ein halbes Jahrhundert nur minor league-Baseball beheimateten, ehe die big leagues zu ihnen kamen, wieder gingen und erneut kamen. 1953 wurde Milwaukee County Stadium eröffnet  (eigentlich für das minor league-Team der Brewers), pünktlich für die Ankunft der Boston Braves, die von 1953 bis 1965 die Milwaukee Braves waren. Nach deren Weiterreise nach Atlanta. 1970, nach einem Jahr als "Seattle Pilots" kam eine neue MLB-Franchise in die Brauereistadt in Wisconsin und erhielt den Namen Brewers. Eine Besonderheit dieses max. 55.000 Zuschauer fassenden Stadions war, daß im outfield, nahe der Anzeigetafel ein Häuschen stand, in dem "Bernie Brewer" hauste. Nach jedem Homerun der Brewers mußte ein armer Mensch im Kostüm des Maskottchens eine Rutsche in einen gigantischen Bierkrug nehmen. Im County Stadium trugen auch die Green Bay Packers jahrzehntelang 2 bis 4 mal jährlich Heimspiele aus. Und hier wurden zahlreiche Szenen für den Film "die Indianer von Cleveland / major league" gedreht. 

Shea Stadium in Queens wurde 1964 eröffnet, auf dem Flushing Meadows Parkgelände. Die Heimmannschaft, die NY Mets, waren 1962 gegründet worden, nachdem der gleichzeitige  Abgang von Dodgers und Giants nach Kalifornien doch eine empfindliche Lücke in die Sportlandschaft gerissen hatte. In diesem Stadion fand auch eines der Konzerte der Beatles auf ihrer letzten US-Tour 1965 statt, etwas bizarr anmutend, da die Zuschauer nur auf der Tribüne saßen, während die Bühne etwas verloren inmitten des leeren Innenraumes stand. Fans in unbestuhlten Innenräumen waren damals noch ebenso unbekannt wie überhaupt Open-Air-Konzerte vor so vielen Zuschauern (55.000). Die ersten zwei Jahre hatten die Mets übrigens im alten, einst von den Giants genutzten "Polo Grounds" -Stadion gespielt. 

Das 1966 eröffnete Oakland Alameda Colisseum ist hier noch in seiner ursprünglichen Form, bevor zur Akkomodation der Raiders ein scheußliches Tribünen-Ungetüm dazu gebaut wurde. Die ursprünglich aus Philadelphia stammenden Athletics hielten hier nach einem Zwischenspiel in Kansas City Einzug. Wie L.A. mit den Angels bekam auch die Bay Area neben den Giants ein zweites Team verpasst, allerdings war hier der Neuankömmling deutlich erfolgreicher. 


Weil die Liga mit nur einem  der Team an der Westküste etwas unbalanciert gewirkt hätte, ließ man es zu, dass gleich zwei Teams aus New York gen Westen zogen. Die heute noch relevante Rivalität zwischen Dodgers und Giants hatte ihren Ursprung im 19. Jahrhundert in New York City! In San Francisco angekommen, spielten die Giants zunächst zwei Jahre lang im alten und kleinen minor league-Stadion "Seals Stadium" - wo einst auch Joe DiMaggio erste Schritte als Profi unternommen hatte. Von 1960 bis 2000 war dann der hier abgebildete "Candlestick Park" die Heimat der Giants. Man sieht den Trend der Nachkriegszeit, Stadien mit gigantischen Parkplätzen im Brachland außerhalb von Stadtzentren zu errichten, weil, besonders im Westen, in dieser Ära niemand auf die Idee gekommen wäre, zu Fuß zu gehen. Es war das Zeitalter der individuellen Mobilität als Massenphänomen und als vermeintlicher Ausweis von Freiheit. 

Seattle konnte sich 1969 genau ein Jahr lang einer Major-League-Franchise erfreuen. Die "Pilots" erkoren das in der 30er Jahren eröffnete "Sick's Stadium" zur Heimstätte, benannt nach dem Besitzer des damaligen Heimteams in der Pacific Coast League. Zuvor hatten mehrere Besitzer anderer Teams Seattle als mögliche neue Heimat geprüft und alle wegen des desolaten Zustandes von "Sick's Stadium" abgewunken. Dann kam ein Jahr früher als erwartet der Zuschlag für die Pilots. In großer Hast wurde das Stadion 1969 ausgebaut um wenigstens annähernd major league-Format zu erreichen. Berichtet wird von Begebenheiten noch nicht fertig montierter Sitze und noch nicht getrockneter Farbe, als die ersten Besucher Platz nahmen. Team und Stadion wurden nur mäßig angenommen, da das Stadion in keiner Weise den Ansprüchen genügte. Es wurde nicht geschafft, die Zusage einzuhalten, 30.000 Zuschauerplätze anzubieten, viele Plätze hatten Sichtbehinderungen, es gab keine Plätze für Kamerapositionen, die Sanitären Einrichtungen waren so schlecht, daß nach dem 7. Inning die Toilettenspülungen ausfielen und die Gästespieler im Hotel duschen mussten usw.. Trotz der höchsten Ticketpreise der Liga - oder deswegen - meldete das Team nach der einzigen Saison Konkurs an und wurde nach Milwaukee verkauft.