"if you can't beat them in the alley, you can't beat them on the Ice" - (Conn Smythe) Aus dem Poesiealbum der Broad Street Bullies, der deutschen Nationalmannschaft gewidmet!

Donnerstag, 14. Februar 2013

Kalenderblatt 45

14.02.2013

Terni, Italien - Stadio Comunale

Bin vieles schuldig geblieben in den letzten Wochen, jeden Tag zu schreiben übersteigt dann doch mein Mitteilungsbedürfnis und Sendungsbewußtsein. Heute am Valentinstag soll es dann doch mal wieder sein. Der Valentinstag geht mutmaßlich auf Valentin von Terni zurück, jenem Ort also, der dieses Stadion beheimatet. Ob die Fans des örtlichen Vereins ähnliche Märtyrer sind wie Valentin, ist mir unbekannt. Der heute zu feiernde Tag der Liebenden geht jedenfalls auf altes, bis ins frühe Mittelalter verfolgbares Brauchtum zurück und ist entgegen der heute weit verbreiteten Meinung keine Erfindung der Blumenindustrie. Valentin wußte vom Fußball noch nichts, die Menschen lebten und liebten seinerzeit auch so irgendwie. Es hat sich seither vieles verändert, nicht nur zum Schlechten. Damals konnte man praktisch noch nicht zurücktreten, wenn einem ein anderer nicht gepasst hat, dann tötete man den einfach. So gesehen haben es die Führungskräfte von heute besser, sie kostet Versagen, Erfolglosigkeit und Fehlverhalten nicht gleich das Leben. Wobei der Papst, soweit ich weiß, im Gegensatz zu den meisten anderen keine Abfindung bekommt. Auf einen anderen, der neben Erfolglosigkeit ebenfalls eine völlig überkommene, nicht mehr in die Zeit passende Menschenführung aufwies, angewandt, hieße das, er müßte bis ans Ende seiner Tage in Wolfsburg in einer VW-Werkswohnung bleiben, bei freier Werks-Verpflegung. Ja, wenn wir schon Papst sind oder waren, dann sollten wir das auch im Scheitern bleiben. Ob nun einfacher Diener im Weinberg des Herren oder einfacher Diener auf dem Spurthügel des Geldgebers.

Montag, 4. Februar 2013

Kalenderblatt 32

01. Februar 2013



Was soll diese diletantisch erstellte Kollage uns sagen? Ganz einfach, wenn die Baltimore Ravens in der aktuellen Superbowl gegen die San Francisco 49ers antreten, dann sind am Rande und im Schatten der ersteren noch weitere Franchises involviert. Wie? Nun, Baltimore hatte einmal (seit 1953) ein sehr erfolgreiches und in Stadt und Umgebung auch beliebtes Footballteam. Die Colts. Nach mehreren Meisterschaften kam es ab Mitte der 70er Jahre zu einer Schwächephase mit schwindenden Erfolgen und ebenso schwindenden Zuschauerzahlen. Es folgte die im US-Sport übliche Reaktion: nachlassender Erfolg bedingt nachlassende Zuschauerzahlen und Einnahmen, was widerum Mißerfolg begünstigt. Also bricht der Teambesitzer einen Streit mit der Kommune um das zu alte, zu unkomfortable, zu wenig Einnahmen generierende Stadion vom Zaun, es wird gedroht, daß man das Team, falls man kein neues Stadion bekommt, in eine andere, willigere Stadt verpflanzt. So geschah es, daß die Baltimore Colts 1983 quasi bei Nacht und Nebel der Stadt den Rücken kehrten und mit Sack und Pack nach Indianapolis umzogen. Zurück blieben frustrierte und ohnmächtige Fans. Die Colts feierten nach weiteren mageren Jahren in den Nuller Jahren beträchtliche Erfolge in Indianapolis, führen diese Erfolge ebenso in ihren Annalen, wie auch die als Baltimore Colts errungenen. Die alten Fans in Baltimore weigern sich aber, die Erfolge der Indianapolis Colts als die ihren, die der "echten" Colts, anzuerkennen.
Für die Colts nicht mehr gut genug


Die Cleveland Browns waren sogar bereits ab 1950 Mitglied der NFL, gewannen gleich in ihrer ersten Saison eine von mehreren noch folgenden Meisterschaften (in der Vor-Superbowl-Ära). In den 80er Jahren passierte dann mit den Browns das gleiche wie vor ihnen mit den Colts (und den Cardinals, mit den Chicago Bears das einzige Team, das seit der Gründung 1920 der NFL angehört), der Besitzer wollte ein neues, moderneres und besser ausgestattetes Stadion, bekam es nicht und verpflanzte das Team über Nacht. Aus den Ruhmreichen und noch populäreren Cleveland Browns wurden somit - die Baltimore Ravens. Der Unterschied zu den Baltimore Colts ist aber, daß sich die Stadt Cleveland alle Rechte an den Browns erwarb, so daß die gesamte Historie des Clubs, seine Titel, Farben, Logo und der Name nicht die Stadt wechseln konnten. Drei Jahre später wurden die neuen Cleveland Browns gegründet, deren Geschichte nun - mit dreijähriger Unterbrechung - fortgeschrieben wird. Die Baltimore Ravens, die eigentlich die Cleveland Browns waren, gelten de facto als neue Franchise.
Ironie des Schicksals ist, wie bei allen Umzügen von Franchises, daß über kurz oder lang doch das geforderte neue Stadion gebaut wird, dessen Nicht-Entstehung ja meist als Grund für den Umzug gilt.
Auf der Gegenseite ist dagegen alles ganz klar, die 49ers spielen seit 1950 in der NFL, seit über 40 Jahren im Candlestick Park, einem Stadion, das schon mehrere Erdbeben überstand und das seine besten Tage auch schon lange hinter sich hat (und von der örtlichen Baseballfranchise schon vor Jahren verlassen wurde). Der Bau des neuen Stadions für die 49ers ist beschlossene Sache, im nahegelegenen Santa Clara entsteht für hunderte von Millionen ein nagelneues Domizil für das Team, das dieses Jahr seinen sechsten Superbowlsieg feiern könnte, dann zu den Steelers aufschliessen würde!

Den 49ers noch gut genug


Kalenderblatt 31

31. Januar 2013

Der Weg in Superbowl XLVII führt über Foxboro bzw. die New England Patriots, soviel war schon von Saisonbeginn an klar, weil es schon seit Jahren so ist und sich wohl erst ändern wird, wenn Tom Brady seine Spielkleidung gegen das goldene Hall of Fame-Jackett getauscht hat. Daß aber die diesjährige Superbowl ohne die Patriots stattfinden würde, war dann doch überraschend. In diesem Stadion, in dem noch nie eine Superbowl stattgefunden hat, aber schon zahlreiche AFC-title-games (sozusagen das Halbfinale zur Superbowl), schafften die Baltimore Ravens den Finaleinzug, zum zweiten Mal in ihrer Geschichte. Dabei brachten sie das Kunststück fertig, ebenso wie die 49ers im anderen Conference final, auswärts beim höher gesetzten Team nach Halbzeitrückstand noch zu gewinnen. Angeführte nicht von ihrer seit Jahren dominierenden Defense um Ray Lewis, sondern vom überragend spielenden Quarterback Joe Flacco, der nicht nur in den diesjährigen Playoffs herausragende Statistiken aufweist, sondern schon seit Jahren zu den konstant überdurchschnittlich spielenden Quarterbacks gehört. Flacco wird traditionsgemäß übersehen bzw. herabgesetzt, weil sein Team ein "defense first"-Image hat und kämpft mit zur Schau getragener Gelassenheit seit Jahren um Anerkennung. So ist eine beliebte Debatte in Expertenkreisen, ob er "Elite" ist oder nicht, womit er nach Eli Manning (trotz 2 SB-Titel mit den Giants) der nächste ist, über den so verhandelt wird. Er hat also viel zu gewinnen am kommenden Sonntag. Diese Debatte ist neben Ray Lewis und natürlich dem Bruderduell das meistdiskutierte Thema im Vorfeld der Superbowl. Es kommt zum ersten Mal in der Geschichte zu einer Partie, in der die Headcoaches beider Finalisten Brüder sind. John Harbaugh von den Ravens ist schon ein paar Jahre länger im Trainergeschäft, hatte dafür keine nennenswerte Spielerlaufbahn. Dagegen war der jüngere, Jim, ein passabler Quarterback, der sogar einmal, für die Indianapolis Colts spielend, das beste Quarterback-rating der Liga hatte und einmal im AFC-Finale stand und durch die Niederlage die Superbowl verpasste. Die meisten Jahre spielte er für die Chicago Bears unter Mike Ditka, einem Quarterback-feindlichen Coach, der nie ein Hehl daraus gemacht hat, daß er sich sehr gut ein Spiel mit 40 Laufspielzügen und ohne Pass vorstellen konnte. Jim Harbaugh ist so lange ich denken kann der erste Headcoach, der als Aktiver ein etablierter Stammspieler als Quarterback war. Dieses Brüderduell sorgt natürlich für Schlagzeilen, die Anzahl der Spieler mit größerer Strahlkraft ist auf beiden Seiten auch eher begrenzt, trotz Baltimores starker Defense mit Suggs und Lewis - der aber nach 17 Jahren NFL sportlich nur noch ein Schatten seines dominierenden Selbst ist - und dem starken Running Back Ray Rice, sowie Flacco und Receiver Boldin auf der einen und QB Colin Kaepernik, RB Frank Gore, den Receivern Randy Moss, Crabtree und Davis, sowie einer kollektiv starken Defense auf der anderen Seite.