"if you can't beat them in the alley, you can't beat them on the Ice" - (Conn Smythe) Aus dem Poesiealbum der Broad Street Bullies, der deutschen Nationalmannschaft gewidmet!

Mittwoch, 28. November 2012

Trevor Erhardt zum 50., nochmal

Der Vollständigkeit halber hier die Daten aus den Eintrachtjahren:

                              Sp.   T    A    P             Sp.   T   A    P
83/84   2. Liga Nord   42   45  33   78   Rel.   n.bek.
84/85   2. Liga Nord   42   45  40   85   Rel.   16    7   10   17 
85/86   2. Liga Nord   41   43  37   80   Rel.   18   19  12   31
86/87     Bundesliga   34   25  15   40   Rel.   18   22  20   42
87/88     Bundesliga   32   18  21   39   P.O.    3     1    1    2



1985, Aufstiegsrunde gegen den Duisburger SC. Handgemenge vor dem Duisburger Tor, natürlich mittendrin die #27, im Verbund mit Peter Roedger (#26), Potz und Kapitän Keller (#14) hält er den Gegner im Zaum.
Spielerporträt im Eintracht-Magazin vor der Saison 85/86. Wie fast alle Spieler prophezeit er den Aufstieg! Und offenbart die Broad Street Bullies als Lieblingsteam und nicht etwa die "Habs" der 70er oder die Islanders oder Oilers, in den 80ern Maß aller Dinge.

Auch vor Rekordnationalspieler Funk (Stand 1986) zeigt er kein falsche Scheu. Im ersten Aufeinandertreffen mit dem BSC Preußen zu Hause markiert er 4 Tore beim 7:1-Sieg.



Typische Szene, immer drauf, immer zum Tor. Szene aus der Relegation. Die Berliner sind gleich erster Heimspielgegner, die SGE setzt gleich ein wichtiges Zeichen, siegt 4:2 und beschert dem haushohen Aufstiegsfavoriten ein punktloses Auftaktwochenende.

Torjubel im Relegationsspiel gegen Berlin, Erhardt mit seinem Sturmpartner Helmut Guggemos.

Stadionheft zum letzten und alles entscheidenden Relegationsheimspiel gegen den noch- und auch zukünftigen Bundesligisten. Die Halle restlos überfüllt, Live-Übertragung im Hr, mit der sattsam bekannten dilettantischen Kameraführung. Zum Glück hatte ich eine Karte bekommen. Erhardt schießt 3 Tore und damit die SGE in die erste Liga. 

Autogrammkarte aus seiner letzten Bundesligasaison, in der er nochmals sein Können und seine Bedeutung für die Mannschaft zeigte.
Ein ganz typisches Bild für den Sturmführer. Er hörte nie auf zu spielen, selbst auf dem Hosenboden rutschend versuchte er noch alles für sein Team. Und er nahm es mit jedem, auch mit den ganz großen auf - hier mit Gerd Truntschka, zweitbester deutscher Center aller Zeiten.

Dienstag, 27. November 2012

Trevor Erhardt wird 50

Zum Geburtstag des unvergesslichen und unvergleichlichen Eishockeyspielers hier eine kleine Lobhudelei. Als er 1983 zur Eintracht geholt wurde, war er gerade 20 jahre alt. Als Referenz hatte er ein paar jahre in der Mannschaft der Calgary Dinos aufzuweisen, der Mannschaft der University of Calgary. Keine besonders gute Adresse, wenngleich auch die Laycock-Brüder und Ron Fischer hier gespielt hatten. Ins erstklassige Eishockey fanden nur die wenigsten über das Kanadische College-Hockey. Während die meisten deutschen Clubs bei der Besetzung ihrer Ausländerstellen eher auf abgehärtete, routinierte Haudegen setzten, kam zur Eintracht also dieser blonde Jüngling direkt von der Universität.
Der Rest ist Geschichte. Trevor Erhardt, der kleine, bullige Collegeboy, war kein begnadeter Eishockeyspieler. Er war in allen Kategorien überdurchschnittlich. Gutes Tempo, gute läuferische Technik, guter Schuß, gut bei Alleingängen, gut in den Zweikämpfen an der Bande, gutes Auge für Mitspieler, gut in der Arbeit nach hinten, blockte sogar Schüsse, für einen Stürmer eher ungewöhnlich. Er war auch kein eiskalter Vollstrecker, obwohl er viele Tore schoss.
Was ihn unsterblich macht, aus der Masse der Punkte am Fließband produzierenden, heute hier-morgen dort auftauchenden Kanadischen und überhaupt ausländischen Spieler heraushebt, die sich seinerzeit im deutschen Eishockey tummelten wie ein Söldnerheer, das war sein Herz. Trevor Erhardt hatte ein Herz von der Größe Albertas, mindestens! Das machte ihn so unvergleichlich. Er gab immer alles, spielte angeschlagen, fuhr Doppelschichten, war ein nie aufgebender Derwisch, beackerte die gesamte Eisfläche. Er war überall auf dem Eis zu finden und dominierte so die Spiele. Seine Landsleute in den anderen Mannschaften pflanzten sich vor dem Tor auf, lauerten, ließen sich bedienen und kamen so teilweise auf deutlich höhere Torquoten, während Erhardt sich alles erarbeitete, erkämpfte, Torchancen - auch für andere - generierte, indem er an der Bande, in den Ecken, hinter dem Tor, um die Pucks fightete, oft mit Erfolg. Er ging keinem Duell aus dem Weg, setzte sich gegen körperlich oft überlegene Gegner durch und gab keinen Puck verloren. Er spielte mit der die Fans ansteckenden Begeisterung eines Jungen, der auf dem zugefrorenen heimischen Weiher erst aufhört, wenn es dunkel ist und die Mutter zum Abendessen ruft.
Dieses Herz, diese Spielfreude waren bis in die letzte Reihe der Tribüne spürbar, weshalb er in Frankfurt bis heute geliebt und verehrt wird. Gerade erst haben die Löwen ihr Maskottchen nach ihm benannt. Sein Trikot mit der 27 hängt schon seit vielen Jahren unter dem Hallendach. Das es sich dabei nur um das hässliche erste Löwentrikot nach der Neugründung handelt und ich lieber ein schwarzes oder rotes Eintracht-Trikot dort sähe - geschenkt, die Geste zählt.
Seine sportlichen Meriten sind allgemein (?) bekannt. Er war in den drei Zweitligajahren stets bester Scorer der Eintracht, schoß im für den Aufstieg 1986 entscheidenden Spiel gegen Rießersee drei Tore zum 4:2-Sieg. Insgesamt in der Aufstiegsrunde in 18 Spielen 19 Tore. In der ersten Bundesliga traf er, was ihm viele nicht zugetraut hätten, in 34 Spielen 25 Mal. Gleich in seinem zweiten Spiel in der ersten Liga erzielte er - wieder gegen Rießersee - drei Tore. In der Relegation 1986/87, in der die Eintracht relativ sicher den Klassenerhalt schaffte, war er überragender Scorer mit 42 Punkten. Auch in seiner letzten Saison bei der Eintracht traf er regelmässig (erzielte sogar einen Scorerpunkt mehr als in der Vorsaison), bestätigte seine Erstligatauglichkeit, obgleich er nach der Verpflichtung von Uli Egen nicht mehr immer in der ersten Sturmreihe und in der ersten Powerplay-Formation stand. So waren seine Werte niedriger als die der meisten anderen Kontingentspieler. Die Zeiten, da er die Mannschaft auf seinen Schultern zum Sieg tragen konnte, waren in der Bundesliga zuende, die Konkurrenz zu groß. Hätte er einen deutschen Paß gehabt, hätte er noch lange in der Liga spielen können, so entschied man, seinen Platz anderweitig zu besetzen. Es mag ein kleiner Trost sein, daß in den verbleibenden Jahren der Eintracht wirklich nur ganz große Namen die Ausländerstelle besetzten: Zunächst der zweifache NHL-Allstar Charlie Simmer und dann Jiri Lala.
Bleibt nur, Trevor Erhardt an dieser Stelle herzlichst zu gratulieren und ihm alles Gute für das weitere Leben zu wünschen.

Auf seinen Einsatz wartend, im ersten Bundesligajahr 1986/87.

In seinem letzten Jahr im Eintrachttrikot (1987/88) kam es an seinem 25. Geburtstag zum Heimspiel gegen Schwenningen. Er schenkte sich, der Mannschaft und den Fans zwei Tore und ein Assist. Bekam im Gegenzug einen 7:0 Sieg, Sprechchöre, Geburtstagsständchen der knapp 6.000 und Gänshaut pur! Was waren das für Zeiten: Es gab noch die Hoechst AG und das Kaufhaus Ammerschläger und in der übersichtlichen Bundesliga aus zehn Mannschaften wiedererkennbare Teams. Es war nicht alles schlecht in den 80ern.

Montag, 26. November 2012

They never come back oder Elf der von der Eintracht weggegangenen und woanders gescheiterten

Eine ganz passable Bundesligamannschaft könnte man aus diesen Spielern aufstellen, die alle die Eintracht verlassen haben, um woanders ihr Glück zu machen, sportlich, finanziell oder beides. Es ist eine Elf der gescheiterten, deren Karrieren durch das Verlassen der SGE teilweise irreparrablen Schaden nahm. So erscheint das Transparent, das Fans im Waldstadion kürzlich den vermeintlich Wechselwilligen widmeten "sei kein Ochs" sehr treffend und bedenkenswert.

                                          Haas

                            Ochs  Russ  Chris  Falkenmayer

                                Streit  Jones  Borchers

                              Tobolik  Andersen  Sippel

(Aus der Eintracht-Jugend stammende Spieler unterstrichen)

Daniel Haas war Juniorennationaltorwart, hielt sich für zu gut, um hinter Heinen und Nikolov auf der Bank zu sitzen, tat aber auch nichts, um mindestens einen der beiden zu verdrängen. Ging, um Bundesligakeeper zu werden, machte in 10 Jahren seit dem Wechsel 35 Bundesligaspiele, konnte sich nicht etablieren.
An seiner Statt käme auch Fährmann in Betracht, der es vorzog, sich ins vermeintlich gemachte Schalker Bett zu legen, anstatt wie Schwegler, Meier, Rode u.a. den harten Weg durch die 2. Liga zu wählen.
Patrick Ochs galt im Eintrachttrikot als Kandidat für die Nationalmannschaft (nicht zu recht, aber das soll jetzt mal egal sein). Wolfsburg bot mehr als das doppelte seines Frankfurter Gehaltes, Abgang. Wird nun vermutlich den Rest seiner Karriere mit dem Versuch zubringen, bei Vereinen des unteren Mittelfeldes oder der Abstiegszone Erstligatauglichkeit zu beweisen. Seine Zukunft dürfte irgendwo zwischen Zweitligaspitze und letztem Tabellendrittel der Bundesliga liegen.
Marco Russ war ein grundsolider Innenverteidiger, unangefochtener Stammspieler auf Ertsliganiveau, der der Eintracht durch seinen Weggang finanziell einen großen Dienst erwiesen hat. Nun rangiert er bei einem Club, der in der Tabelle deutlich hinter der Eintracht liegt im Kader irgendwo zwischen Platz 30 und 40.
Chris war, solange er bei der Eintracht war, deren bester Fußballer. Leider sehr verletzungsanfällig. Sein Weggang war der eigenen Klasse mehr geschuldet als der Gier, es war in Ordnung, zu gehen, es nochmal woanders zu versuchen, er hatte der Eintracht seine besten Jahre gegeben. Leider klappte es in Wolfsburg nicht gut, deshalb erscheint er auf der Liste.
Ralf Falkenmayer erscheint der Vollständigkeit halber auf der Liste. In Leverkusen lief es, auch verletzungsbedingt nicht gut für ihn. Das bodenständige Frankfurter Eigengewächs war in einer schwachen, aber immerhin aus vielen Eigengewächsenen bestehenden Eintrachtmannschaft immer Leistungsträger, ein untadeliger Sportsmann. Charakterlich keiner Mängel verdächtig, war er nach seiner Rückkehr an den Main noch jahrelang wichtiger Baustein der vielbeachteten Truppe um Stein, Bein, Möller und Yeboah.
Albert Streit ging mehrmals von der Eintracht weg, in deren Reihen er immerhin auch einmal kurz vor dem Durchbruch zum Nationalspieler zu stehen schien. Ähnlich wie Ochs machte er woanders viel Geld aber nicht sein sportliches Glück, wie er es angeblich jedesmal geplant hatte. War wegen seines Auftretens, das oft zwischen Pomadigkeit und Arroganz pendelte, nie wirklich populär, was darauf hindeuten könnte, daß Fans wenigstens manchmal ein Gespür dafür haben, was charakterlich von einem Spieler zu halten ist. Sein Karriereverlauf, in umgekehrtem Verhältnis zum Kontostand, ist ein warnendes Beispiel für alle, die ihre Leistung nicht realistisch einschätzen und dem schnellen Geld nachlaufen.
Jermaine Jones ging, als Stürmer und Juniorennationalspieler nach Leverkusen. Dort scheiterte er, kam zurück, wurde zum Mittelfeldspieler umfunktioniert, war oft verletzt, profitierte von der Loyalität der Eintracht durch seine langen Ausfallzeiten hindurch, jammerte, daß er keine Chance sehe, in Frankfurt zur Legende zu werden und ging wieder, als um ihn herum etwas aufgebaut werden sollte. Immerhin schaffte er es bei Schalke, allen Unkenrufen zum Trotz. Ähnlich schwache Frustrationstoleranz zeigte er bezüglich der Nationalmannschaft, als er für die USA optierte.
Ronnie Borchers ist irgendwo auf halber Strecke zwischen ewigem Talent und Eintracht-Legende stecken geblieben. Gerade als er, im Mittelfeld eingesetzt, Kapitän für den verletzten Körbel, Anführer von Weises Kindergarten in der siegreichen Relegation 1984, zur Persönlichkeit zu reifen schien, konnte er sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen, ging weg. Er hatte noch die besten Jahre vor sich, war gerade 27. Danach nur noch ein paar bedeutungslose Jahre in Bielefeld, Mannheim und der Schweiz. Immerhin dennoch ein erfolgreicher Adlerträger, Stammspieler und teilweise Leistungsträger bei einem Pokalsieg und beim UEFA-Cupsieg.
Cezary Tobolik ist für mich fast der tragischste Fall. Er war ein hochtalentierter Außenstürmer, Filigrantechniker und Dribbelkünstler, der die Massen mit seinen Tricks verzaubern konnte. Dann kam es zu einem unwürdigen Vertragspoker, bei dem die Eintracht keine gute Figur abgab. Die Optionen, ihn zu halten und etwas besser zu bezahlen, oder ihn zu einem der interessierten Spitzenclubs zu verkaufen und eine siebenstellige Ablöse zu kassieren, nahm der damalige Vorstand nicht wahr, Tobolik ging, wollte nur weg und ward fortan im Spitzenfußball nicht mehr gesehen. Er tanzte nur einen (bzw. zwei) Sommer. Statt Torschütze gegen Bayern vor 60.000 nur noch Provinz, Tristesse z.B. in Aschaffenburg.
Jörn Andersen ging als sowohl erster ausländischer als auch erster aus den Reihen der SGE stammender Torschützenkönig. Überschätzte sich und seinen Wert, ließ ein Mittelfeld von dem jeder Stürmer nur träumen konnte (allen voran Uwe Bein als Passgeber) hinter sich, unter der Vorstellung, ein echter Torjäger zu sein. Schoß nur dreimal mehr als 10 Tore in einer Saison. Kehrte wie manch anderer reumütig zurück, ohne an die alten Erfolge anknüpfen zu können.
Lothar Sippel war ein herausragender Joker, der viele seiner Tore nach Einwechslungen erzielte, dadurch viele Spiele aus dem Feuer riß. Vom Können her eher ein passabler Zweitligaspieler, der nicht ohne Grund oft auf der Bank saß, kam er auf die Idee, das Zeug zum Bundesligastammspieler zu haben und ging zu Borussia Dortmund. Dort wurde er das, was er vorher auch war, Ergänzungsspieler, aber mit deutlich schwächerer Torausbeute - lag es vielleicht an den Mitspielern?

Nicht alle verliessen die Eintracht unter gleichen Umständen, nicht alle sind für ihre Wechsel zu verurteilen, aber bei den meisten der sportlich abgestürzten läßt sich doch eine aus Gier und Selbstüberschätzung gespeiste Motivation für den Wechsel ausmachen. Die spannende Frage, die sich aus dieser Beobachtung ergibt, ist aus meiner Sicht, ob Spieler, die sich aus solchen Gründen von dem Verein abwenden, der sie groß gemacht hat, folgerichtig einen solchen Niedergang durchmachen müssen?
Andererseits ist es auch ein Charakteristikum der Eintracht, Talente versauern zu lassen, nicht richtig aufzubauen. Die interne Durchlässigkeit scheint deutlich geringer geworden zu sein.

Dienstag, 20. November 2012

Occupy Spielerinterviews

Auch amüsant fand ich am Wochenende die Äußerungen Manuel Neuers zu seinem Gegentor gegen Nürnberg. In der Sache - der Ball hatte eine ungewöhnliche Flugkurve, ging woanders hin als erwartet und der Schuß war verdeckt, erst etwa ab der Strafraumgrenze zu sehen - hat Neuer sogar recht. Durch die Art der Antwort auf Fragen, seinen beleidigten Ton und die herablassende Entgegnung, die Frager seien nicht vom Fach, hat er sich aber als äußerst unsouverän erwiesen, so wie er auch, trotz triftiger Erklärung, bei besagtem Schuß aussah. Also kein "großer", dem halt mal ein unglücklicher Gegentreffer widerfährt, sondern eine kleingeistige beleidigte Leberwurst. Daß er ein sehr guter Torwart ist, einer der Besten in Deutschland ohne Zweifel, hat doch niemand in Frage gestellt. Es ging doch nur um ein Tor. In einem Spiel, in dem ein leidenschaftlich kämpfender Gegner den Bayern nicht den Vortritt gelassen hat (dabei nur halb so oft foulte wie die Bayern). Ist der sonst ebenso sympathische wie hüftsteife Gelsenkirchner Schlußmann des Rekordmeisters jetzt auch schon vom FCB-Gen, dem größenwahnsinnigen befallen? Darf man sich gegen den FCB nicht wehren? Was sagte eigentlich Hoeneß zu dem Spiel?
Am besten wäre es wahrscheinlich, diese Spielerinterviews ganz zu unterlassen. Was soll da schon groß herauskommen? Unbedarfte junge Kerle, die zu ihrer Freundin oder zur Spielkonsole oder in die Disco wollen. Laßt sie gehen.

Und überhaupt, die Fußballberichterstattung. Wieviel Pozent von Sport 1 gehört eigentlich U. Hoeneß? Ich habe das Gefühl, in jeder der wenigen redaktionell gestalteten Sendungen das erste Drittel bis die erste Hälfte überspringen zu müssen, wenn ich nichts vom FCB sehen möchte. Was ist mit Freiburg, der Eintracht u.a. in der Spieltagsanalyse, im Stammtisch, in Bundesliga Aktuell? Nichts gegen die Bayern, aber es gibt noch 17 andere Vereine, die Woche für Woche 11 Spieler auf den Platz schicken, Tore schießen, teilweise schönen Fußball spielen, interessante Taktiken zeigen, strittige Schiedsrichterentscheidungen erleben etc.
Und wann wird S. Schäfer Chefredakteur von 11 Freunde?

Montag, 19. November 2012

Wolfsburg will sympathisch werden

Eines der interessantesten Saisonziele - oder vielleicht auch längerfristig - aller Zeiten wurde in der vergangenen Woche in Wolfsburg ausgegeben: "Wir wollen sympathisch werden."
Bin beeindruckt, daß man dort die zum Erkennen dieser Notwendigkeit erforderliche realistische Selbstwahrnehmung hat!
Einen Anfang hat man mit der Personalentscheidung Magath versucht, den man von seinem geliebten Spurt- und Feldherrnhügel (den intern natürlich keiner Wolfsschanze nannte) gestossen hat.
Der nächste Schritt zum Sympathischwerden? Man geht einfach mal her und nimmt einem seit Jahren gewissenhaft und weitgehend seriös arbeitenden Club, der sich gerade anschickt, mit einer jungen und weniger kostenintensiven Mannschaft in aller Demut und Geduld einen Neuanfang zu unternehmen, den Manager weg. Winkt mit der Verdopplung des ohnehin schon siebenstelligen Gehalts, verspricht dazu noch Berge von Spielgeld, quasi - für deutsche Verhältnisse - die Carte blanche für die Transferliste. Sehr sympathisch.
Was kommt als nächstes? Die Mannschaft. Trainiert von Egon Coordes. Ich empfehle Gerry Ehrmann fürs Tor, Ersatzmann Wiese. Abwehr mit Norbert (Lienen aufgeschlitzt) Siegmann, Paul (Karriereende für Heinz Flohe) Steiner, Jürgen (Rückenwirbelfortsatz von Cha) Gelsdorf, fürs Mittelfeld empfehle ich Streit und Matthäus als Zwietrachtsäer und Kaderspalter, im Angriff Labbadia, der sich durch diese Wahnsinnsszene qualifiziert, in der er ungefähr drei Schwalben während einer Angriffsaktion fabrizierte, ehe er sich auf seine tatsächliche Aufgabe besann und ins Tor schoß. Das wäre doch ein geeigneter harter Kern für eine sympathische Mannschaft. Die spielen alle nicht mehr? Das hat Montgomery Burns bei der Zusammenstellung seiner Baseballmannschaft auch nicht gestört.
Für eine sympathische Außendarstellung sollten ferner noch Roger Willemsen und Dr. von Hirschhausen irgendwelche Funktionen übernehmen. Willemsen, weil ihm die Empathie aus jeder Pore quillt, er verströmt Wärme, wenn er den Mund aufmacht, er könnte jede noch so unqualifizierte Haßtirade von Uli Hoeneß vortragen und man würde sich gut fühlen. Hirschhausen, der seichte Konsens-Allesmoderierer, hat sich im Habitus und Sprachduktus fest an Willemsens Fersen geheftet, wäre somit ebenso geeignet. Im sonntäglichen Fußballstammtisch sähe ich mit Wontorra und diesen beiden dann noch den Alleserklärer und Konsensphilosophen R.D. Precht und natürlich aller Lieblingstrainer, Seitenlinienveitstänzer und Grimassenschneider (eigentlich eher Gesicht-zur-Fratze-Entsteller) J. Klopp. Hätte mit Stammtisch nicht mehr viel zu tun, ist wohl doch keine so gute Idee. Könnte man ja gleich noch M. Kässmann zuschalten.
Der Verein VfL kann natürlich nichts für die Geschichte der Gemeinde Wolfsburg und ich will zu letzterer nur schreiben, daß sie früher "Stadt des KdF-Wagens" hieß (und genausogut auch "Stadt der V1" oder "Stadt der Rüstungszulieferung unter Einsatz von Zwangsarbeitern" hätte heißen können). Wie gesagt, dafür können die Vereinsverantwortlichen nichts. Aber es fällt auf, daß hier wie dort kaum etwas natürlich gewachsen ist, stattdessen Planung auf dem Reißbrett und aus dem Boden Stampfen. Wieviele Spieler aus der eigenen Jugend haben schon für Wolfsburg in der 1. Liga gespielt?
Nun, der Relaunch der Stadt und der Autofabrik sind geglückt, aber
Fußball ist und bleibt ein Spiel, das eben von vielen auch emotional erlebt wird und die durch Wolfsburg ausgelösten Emotionen sind nun mal eher negativ. Es ist sicher um ein vielfaches leichter, eine Automarke einem erfolgreichen Imagewandel zu unterziehen, als einen Fußballverein. Je mehr VW in den VfL investiert, desto weiter werden sie ihr Ziel vom sympathischen Verein verfehlen, so unterschiedlich ist das Geschäft mit dem Fußball von dem mit dem Auto.

Wenn es doch immer so einfach wäre! Aus einem nicht erstligawürdigen Provinzsportplatz wird zunächst ein nicht erstligawürdiges Stadion mit Stahlrohrtribünen zusammengebastelt, dann schließlich die moderne state-of-the-art Hochglanzarena. Fertig ist der Spitzenfußball?





Mittwoch, 14. November 2012

Stadionalbum 25: Dixieland

Ach, der wundervolle Süden der USA. Romantisch verklärt, Heimat der wunderschönen alten Plantagen und Herrenhäuser, Geburtsregion von Jazz und Blues, Cajun-Küche und BBQ. Hort der Sklaverei, für deren Erhalt man sogar in den Krieg zog, bis heute auch Heimat dumpfer, ungebildeter und rassistischer Hinterwäldler. Schauplatz der "Dukes of Hazard", Epizentrum von NASCAR, Heimat patriotischer Bands wie den Allman Brothers, Lynyrd Skynyrd, ZZ Top, den Alabama Shakes, aber natürlich auch von Elvis und unzähligen Jazzlegenden. Von B.B. King, Howlin' Wolf , Bo Didley und anderen ganz zu schweigen. Kurzum, das gelobte Land.
Und natürlich gibt es auch in den Südstaaten (als solche gelten die aus der Union ausgetretenen Staaten) viele Stadien, die meisten gehören zu Universitäten. Einige Footballstadien aus der Region zeige ich hiermit:

Athens, Georgia

Atlanta, Georgia

Atlanta, Georgia

Austin, Texas

Birmingham, Alabama (Legion Field)

Charlotte, North Carolina

Charlottesville, Virginia

Clemson, South Carolina

College Station, Texas

Columbia, South Carolina

Dallas, Texas

Dallas, Texas

El Paso, Texas

Fayetteville, Arkansas


Gainesville, Florida

Houston, Texas

Houston, Texas

Jacksonville, Florida

Knoxville, Tennessee

Lubbock, Texas

Memphis, Tennessee


Miami, Florida

Miami, Florida

Nashville, Tennessee

Nashville, Tennessee

New Orleans, Louisiana

New Orleans, Louisiana

Oxford, Mississippi

Tallahassee, Florida

Tallahassee, Florida

Tampa, Florida

Tampa, Florida

Tuscaloosa, Alabama

Allofs - der Wolf im Scha(a)fspelz

Allofs zum VfL Wolfsburg?! Warum nicht. Endlich mal Geld ausgeben können, das man nicht selbst verdienen muß, wer könnte da schon widerstehen? Irgendwann bekommt man halt auch mal genug von dem ständigen hanseatischen Kaufmannsgehabe, Seriösität, nur ausgeben, was man hat und so weiter.
Warum Schaaf nicht mitkommt? Ganz einfach: Ihm fehlt der Mexico-Bonus. Wolfsburg baut bekanntlich bevorzugt auf Männer, die anno 1986, im Banne Montezumas Rache, die Kloschüssel, Tequila, Kippen etc. geteilt haben, incl. Suppenkasper-Lästertisch. Zu einem der schlechtesten Vize-Weltmeisterteams in der WM-Geschichte gehört zu haben, sorgt für die Glaubwürdigkeit und Weltgewandtheit, die Wolfsburg braucht, um sich da zu etablieren, wo man hinwill. Unter den schillernden, potenten und aufregenden Großklubs, die am ganz großen Rad drehen. Bei den Gehaltskosten sind sie es schon, was jedoch bisher eher durch Masse denn durch Klasse erreicht wurde. Die Unsympathen aus der provinziellen Autostadt, in Niedersachsen in Sachen Beliebtheit etwa die Nr. 4 hinter Hannover 96, Braunschweig und Osnabrück, nur knapp vor dem VfB Oldenburg (Klaus & Klaus sein Verein), unternehmen also einen weiteren Versuch, sich als Marke zu platzieren. Obwohl die Methode Magath insgesamt sehr vielversprechend angelaufen war.
Als neuer Trainer käme dennoch ein Bremer in Betracht, nämlich der Assistent. Nicht Karl-Heinz Kamp, obwohl der als Ex-Spieler von Opel Rüsselsheim (unter Otto "maximal" Baric) natürlich auch zur Autostadt passen würde. Nein Wolfgang Rolff ist es! Er bringt alles mit: Erfahrung mit bizarrer Vereinsführung (erste Karriereschritte bei Jean Löring), geile Frisur in den 80ern und die Teilnahme an Mexico 86 (u.a. als Schatten eines alternden Platini).



Rolff bejubelt mit Brehme und Matthäus den Sieg über Frankreich. Jetzt müßte eigentlich Winterkorn rufen.


Die Kaderschmiede der VW-Truppe weckt schlimmste Erinnerungen bei jedem echten Fußballfreund. Lichtblick aus meiner Sicht lediglich das starke Turnier des Eintrachtlers Thomas Berthold. Ansonsten ein deutsches Team, das sich mit nur einem Sieg durch eine schwache Vorrundengruppe würgte, mit Ach und Krach Marokko bezwang, Mexico nach 120 Minuten ein 0:0 abgerungen hatte und im 11m-Schießen ausschaltete, gegen Frankreich immerhin ganz gut spielte und das Finale dann zu recht verlor. Beckenbauer schickte eine Armada von Vorstoppern aufs Spielfeld, ich glaube, er muß heute noch lachen, wenn er daran denkt. Aus diesen Reihen rekrutiert der VfL Wolfsburg also bevorzugt sein Führungspersonal. Littbarski (als Assistent dieses Engländers) war schon da, Augenthaler ebenso, Magath (nur einer wie er schafft es wohl, eine emotionale Bindung zu so einem Club zu entwickeln) sogar zweimal, Dieter Hoeneß und nun also Klaus Allofs.

 

Dienstag, 6. November 2012

Stadionalbum Teil 24: Nie mehr zweite Liga

Ob hier jemals wieder Zweitliga- oder überhaupt Profifußball zu sehen sein wird? Einst feste Größen in der sonntäglichen Sportschau oder der ZDF-Sportreportage, als für die Führungskamera oft noch Stahlrohrtürme aufgebaut werden mußten, weil die Tribünen zu flach waren. Einige der hier beheimateten Clubs klopften, teils mehrfach, an die Tür zur ersten Liga an, auch längst von der Landkarte des großen Fußballs verschwundene (z.B. Hof, Pirmasens), an vielen dieser Spielorte nahmen Erstliga-, sogar Nationalmannschaftskarrieren ihren Anfang oder fanden ihren Ausklang. Wirkliche Fußballtempel sind kaum darunter.