"if you can't beat them in the alley, you can't beat them on the Ice" - (Conn Smythe) Aus dem Poesiealbum der Broad Street Bullies, der deutschen Nationalmannschaft gewidmet!

Dienstag, 17. April 2012

Occupy Sportsendungen im Hessenfernsehen

Nach längerer Zeit mal wieder "Heimspiel" geschaut, den meines Erachtens gelungenen Versuch des hessischen Rundfunks, die Fußball- bzw. Sportberichterstattung in der Region zugrunde zu richten. Zugegeben, der hessische Rundfunk verfügt ohnehin traditionsgemäß über die schlechteste Hauptsportsendung aller dritten Programme, schon der alte Sportkalender glänzte mit Spielberichten, in denen regelmässig Tore "zu überraschend für unseren Kameramann" erzielt wurden, nicht nur in der Kamera-ungeeigneten Eissporthalle, sondern auch im Waldstadion, auf dem Bieberer Berg oder am Böllenfalltor. Aber eine Sendung, wie das "Heimspiel" ist denn doch noch einmal eine besonders hervorzuhebende Leistung. Ein Sendeplatz, der nur angesichts der Qualität der Sendung, nicht jedoch thematisch angemessen ist, eine Runde von Gästen, die völlig unausgegoren, nicht zusammenpassend auf der Couch sitzt, sowie eine keinem Schema, keinem klaren Ablauf folgende Sendung fügen sich zu einem Ärgernis zusammen. Der Moderator versucht jeden Gast irgendwie ins Gespräch zu bringen, so daß weder ein Interview, noch eine gehaltvolle Talk-Runde entsteht, nach zwei bis drei Sätzen wird irgendein Spielbericht eingespielt, dann wieder aufs neue der erfolglose Versuch eines Gespräches - bzw. mehrerer. Die Gäste: mit Rode und Möhlmann sicher zwei Männer der Stunde, aber es wird die Chance verpasst, jedem ein Einzelgespräch zu widmen, daher erfährt man eigentlich nichts, da jedes Aufkommen eines Gesprächs durch eine Frage des Moderators an einen weiteren Gast verhindert wird. Weil Keke Rosbergs Sohn ein Formel 1-Rennen gewonnen hat, wird eine DTM-Fahrerin eingeladen?! Und ein Journalist der FAZ, von dem sich herausstellt, daß er gar nicht primär Fußballjournalist ist?
Erklärt mir das mal, HR. Oder stellt die Sendung lieber ein, so eine Berichterstattung hat der Sport, auch in Hessen, nicht verdient.

Donnerstag, 12. April 2012

Orte der Schande 3: Cordoba

Das WM-Stadion von Cordoba. Hier trug die Deutsche Mannschaft ihr letztes Spiel der zweiten Finalrunde gegen Österreich aus. Mit sattsam bekanntem Resultat. Eine Mannschaft, die, obwohl noch die Chance bestand, unter die letzten vier zu kommen, im Kopf schon auf der Heimreise war. Als Titelverteidiger und Vize-Europameister angereist. Bis zu jenem Spiel noch ungeschlagen, aber auch nur mit einem Sieg. Zwar standen noch einige Weltmeister von 1974 im Kader, jedoch nicht die, die der Mannschaft die entscheidenden Impulse geben konnten. Kein Beckenbauer, der sich im Vorjahr nach New York aufgemacht hatte, kein Overath, der ganz aufgehört hatte, kein Müller, der nach dem Finale von München aus der Nationalelf zurückgetreten war, Kein Breitner, der damals zwar wieder in die Bundesliga aber noch nicht ins Nationalteam zurückgekehrt war, kein Grabowski, der zwar auch nach München zurückgetreten war, aber in der Bundesliga der stärkste Spielmacher jener Zeit war. Stattdessen ein als Anführer einer inhomogenen Mannschaft überforderter Kapitän Vogts, ein in die Jahre gekommener Sepp Maier, ein trotz seiner erst 26 Jahre schon über den Zenit hinaus befindlicher Bonhof und der bereits 32-jährige Hölzenbein, der überhaupt erst in der zweiten Finalrunde ins Team rückte. Obwohl sich das Aufgebot ganz gut liest, stimmte es im Mannschaftsgefüge nicht, spätere Weltklassespieler (Kaltz, Rumenigge) waren noch nicht soweit, zu Anführern auserkorene etablierte Spieler konnten diese Rolle nicht ausfüllen, bzw. die starken Leistungen aus der Bundesliga nicht bestätigen. Als Libero hatte Franz Beckenbauer riesige Fußstapfen hinterlassen, die keiner seiner vielen Nachfolger ausfüllen konnte, bei dieser WM war es Kaltz. Rüßmann als Vorstopper war zumindest gegen Österreich überfordert. Von den Außenverteidigern Dietz und Vogts gingen ganz wenige Impulse nach vorne aus. Im Mittelfeld war Flohe nicht der erhoffte Spielmacher, fiel zudem nach dem Versuch eines artistischen Hackentricks an der Eckfahne nach dem vierten Spiel verletzt aus. Erich Beer schaffte es auch nicht, dem Angriffsspiel Konturen zu verleihen, ebensowenig wie Bonhof, der aber auch eher von der "Sechserposition" aus spielte. Im Sturm konnte sich Helmut Schön nicht zwischen Dieter Müller und Fischer entscheiden, brachte teilweise beide, ohne Erfolg. Fischer blieb ohne Tor im gesamten Turnier, Müller traf nur zweimal, gegen die schwachen Mexikaner. Einer der wenigen Lichtblicke des Turniers war Rumenigge, der schon teilweise die Klasse andeutete, die ihn in den folgenden Jahren zu einem der weltbesten Spieler werden ließ. In jenem Spiel gegen Österreich ging Deutschland durch eben jenen Rumenigge in Führung, geriet dann durch ein Eigentor von Vogts und den ersten Krankl-Treffer in Rückstand, den Hölzenbein Mitte der zweiten Hälfte egalisierte. Mehr kam nicht von der lustlos wirkenden deutschen Elf. So konnte sich Krankl mit seinem zweiten Treffer des Tages unsterblich machen und Cordoba bleibt für immer mit einem Tiefpunkt der deutschen Fußballgeschichte verknüpft.